Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

der WEISSE RING feiert in diesem Jahr Geburtstag. Seit 50 Jahren steht der Verein an der Seite der Opfer, begleitet und unterstützt sie. Gleichzeitig setzt er sich in der Öffentlichkeit und auf politischer Ebene für mehr Schutz und Hilfe für Betroffene ein. In dieser Ausgabe blicken wir auf die Geschichte des Vereins zurück. Als dieser gegründet wurde, hatte kaum jemand Kriminalitätsopfer im Blick, sie waren als Zeugen lediglich ein Beweismittel. Das hat  ich – bei allen noch bestehenden Problemen – geändert, auch durch den Einsatz des WEISSEN RINGS.

In den ersten Jahrzehnten machte er sich erfolgreich für mehr Rechte im Strafverfahren und verbesserte Leistungen für Opfer stark, in der jüngeren Vergangenheit für die Einführung der elektronischen Fußfessel, um Betroffene häuslicher Gewalt besser zu schützen, und für konkrete Fortschritte bei der Reform der Opferentschädigung. Gelungen ist dies dank eines starken Ehren- und Hauptamtes. Einige unserer langjährigen Ehrenamtlichen stellen wir Ihnen in dieser Ausgabe vor. Wir schauen jedoch nicht nur auf Erfolge, sondern auch auf schwierige Zeiten und die Lehren, die wir daraus gezogen haben.

„Als der WEISSE RING gegründet wurde, hatte kaum jemand Kriminalitätsopfer im Blick.“

Im Mittelpunkt stehen für uns die Betroffenen. Deshalb haben unsere Reporterinnen und Reporter Menschen besucht, die bei der Entführung des Flugzeugs „Landshut“ 1977 oder eines Geldtransports im Jahr 1987 Opfer geworden sind. Sie sprachen mit einer Frau, die jahrelang zur Prostitution gezwungen wurde und den Ausstieg schaffte. Darüber hinaus haben wir im Interview Bundesjustizministerin Stefanie Hubig dazu befragt, wie sie die Lücken beim Opferschutz schließen will.

Das Opferentschädigungsgesetz trat ebenfalls vor 50 Jahren in Kraft und wurde im Januar 2024 vom Sozialgesetzbuch XIV abgelöst. Werden Betroffene nun besser unterstützt? Wo gibt es noch Missstände, auch bei älteren Fällen? Diesen Fragen ist unsere Redaktion nachgegangen und hat mit Opfern, Ämtern, Ministerien und Fachleuten gesprochen. Wenn unsere Texte Sie zur Reflexion anregen, freue ich mich. Teilen Sie uns Ihre Gedanken gerne per E-Mail an redaktion@weisser-ring.de mit.

Ihre Barbara Richstein
Bundesvorsitzende WEISSER RING