50 Meilensteine in 50 Jahren WEISSER RING

Rückblick auf ein halbes Jahrhundert an der Seite der Opfer

Als der WEISSE RING 1976 in einer Mainzer Privatwohnung gegründet wurde, war er ein kleiner Verein. Heute ist er die größte deutsche Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer mit rund 40.000 Mitgliedern und 3.000 Ehrenamtlichen. Dazwischen liegen viele Meilensteine, etwa die Gründung der ersten Außenstelle, juristische Auseinandersetzungen für mehr Opferhilfe, Unterstützung für Betroffene nach dem Anschlag auf das Oktoberfest, der Start des Opfer-Telefons oder der erfolgreiche Einsatz für die elektronische Fußfessel nach spanischem Vorbild. Wir haben 50 besonders wichtige Meilensteine in der Geschichte des Vereins recherchiert.

24.09.1976

VEREINSGRÜNDUNG

Mainz – Der WEISSE RING wird ins Vereinsregister eingetragen. 17 Männer und Frauen gründen den Verein zur Opferarbeit, darunter Eduard Zimmermann, Moderator der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY“.

12/1977 – AUSSENSTELLE

Berlin – die erste Außenstelle des WEISSEN RINGS wird eröffnet.

01/1978 – 1.000 MITGLIEDER

Mainz – Der WEISSE RING zählt 1.000 Mitglieder. Der Appell an Bevölkerung und staatliche Institutionen, Opfer zu unterstützen, zeigt langsam Wirkung. Landesversorgungämter nehmen Kontakt zum Verein auf.

02/1978 – 1. MAGAZIN

Mainz – Die erste Ausgabe der Mitgliederzeitschrift erscheint. Sie stellt die Perspektive von Kriminalitätsopfern in den Mittelpunkt.

01/1979 – OPFERENTSCHÄDIGUNG

Bonn – Der Einsatz des WEISSEN RINGS sorgt erstmals für gesetzliche Verbesserungen: Leistungen für Opfer gelten nun ab dem Tag der Tat. Ein Berufsschadensausgleich wird für alle Geschädigten möglich.

02/1979 – REFERAT „SCHULDLOS IM ABSEITS“

Mainz – Der WEISSE RING beginnt mit der Präventionsarbeit und richtet ein Referat mit dem Namen „Vorbeugung“ ein.

01/1980 – 100 REGIONALSTELLEN

Mainz – Im Januar 1980 gibt es bereits 100 Regionalstellen. Der WEISSE RING hat mehr als eine Million Mark an Kriminalitätsopfer weitergeleitet.

26.09.1980 – ANSCHLAG AUF DEM OKTOBERFEST

München – Am 26. September 1980 verübt ein 21-Jähriger einen rechtsextremen Anschlag auf das Oktoberfest. Der WEISSE RING leistet persönlichen Beistand und schüttet gut eine Million Mark an Betroffene aus.

02/1983 – PLAKATAKTION

München – Der WEISSE RING startet eine bundesweite Plakataktion zur Prävention bei Betrug, Taschen- und Fahrraddiebstahl sowie beim Wohnungseinbruch.

03/1983 – GESETZGEBUNG & RECHT

Mainz – Die Arbeitsgruppe „Gesetzgebung und Recht“ nimmt ihre Arbeit auf und untermauert die rechtspolitischen Forderungen des WEISSEN RINGS.

06/1984 – AUS- & WEITERBILDUNG

Mainz – Das erste dreistufige Seminarprogramm zur Aus- und Weiterbildung ehrenamtlicher Mitarbeiter läuft an.

09/1984 – GRUNDSATZPROZESS

Kassel – Der WEISSE RING gewinnt einen Grundsatzprozess vor dem Bundessozialgericht: Wer sich in friedensstiftender Absicht gegen nachhaltige Störungen, wie etwa Hausfriedensbruch, wehrt und verletzt wird, hat jetzt Anspruch auf Entschädigung.

12/1984 – 20.000 MITGLIEDER

Mainz – Der WEISSE RING hat in Deutschland 20.000 Mitglieder und 200 Anlaufstellen für Opfer.

01/1986 – „SCHULDLOS IM ABSEITS“

Bonn – Eduard Zimmermann übergibt Kanzler Helmut Kohl die Dokumentation „Schuldlos im Abseits“, eine Auswertung von gut 3.000 Einzelschicksalen. Sie gibt einen einmaligen Einblick in die Lebensumstände von Opfern.

10/1986 – DELEGIERTENPRINZIP

Mainz – Aufgrund des Vereinswachstums führt der WEISSE RING das Delegiertenprinzip ein. Die erste Versammlung mit Delegierten findet 1988 statt.

04/1987 – OPFERSCHUTZGESETZ

Bonn – Im April 1987 tritt das Opferschutzgesetz in Kraft, das Opferzeugen im Strafverfahren stärkt.

05/1987 – BELEHRUNGSPFLICHT

Mainz – Im Mai 1987 wird die vom WEISSEN RING geforderte Belehrungspflicht Praxis: Das Merkblatt über die Rechte und Befugnisse von Verletzten im Strafverfahren erscheint.

07/1987 – BERATUNGSSCHECK

Mainz – Der Beratungsscheck des WEISSEN RINGS ermöglicht Kriminalitätsopfern die kostenlose Erstberatung bei einem frei gewählten Anwalt.

08/1988 – „SCHULDLOS IM ABSEITS“

Mainz – „Stopp dem Diebstahl“, eine Aktion des WEISSEN RINGS und der Polizei, erinnert Autofahrer daran, beim Verlassen ihres Fahrzeugs aufmerksam zu sein.

10/1989 – 1. OPFERFORUM

Mainz – Das erste Opferforum, eine bundesweite Expertentagung, diskutiert über schlechte Schadensregulierung und eine für Opfer unzumutbare Beweislast im Opferentschädigungsgesetz.

04/1990 – INFOTELEFON

Filderstadt – Start des bundesweiten Info-Telefons des WEISSEN RINGS. Betroffene können rund um die Uhr gebührenfrei anrufen.

08/1990 – WIEDERVEREINIGUNG

Berlin – Die Opferarbeit wird auf ganz Deutschland ausgeweitet. Der WEISSE RING stellt die Arbeitsmappe „Jugendkriminalität“ allen Schulen der ehemaligen DDR zur Verfügung.

22.03.1991 – TAG DER KRIMINALITÄTSOPFER

Mainz – Erster deutscher „Tag der Kriminalitätsopfer“. Der Aktionstag soll für mehr Aufmerksamkeit für die Belange von Opfern und ihren Familien sorgen.

09/1993 – OPFER DER DDR

Mainz – Die Hilfen des WEISSEN RINGS erreichen jetzt auch Opfer von Regierungskriminalität in der ehemaligen DDR.

12/1995 – BEWEISLASTREGELUNG

Bonn – Die Beweislastregelung im Opferentschädigungsgesetz wird aufgehoben. Wenn keine unmittelbaren Tatzeugen vorhanden sind, genügen auch die glaubhaften Angaben des Opfers.

03/1996 – OEG-LEISTUNGEN

Kassel – Der WEISSE RING erkämpft eine weitere Grundsatzentscheidung: Ausländische Mitbürger haben auch dann Anspruch auf OEG-Leistungen, wenn die Tat vor dem 1. Juli 1990 geschah.

05/1997 – EHRENPREIS

Mainz – Bei den „Wormser Prozessen“ werden erstmals kindliche Opferzeugen per Videotechnik vernommen. Der WEISSE RING würdigt diese mutige Entscheidung des Gerichts mit dem Ehrenpreis.

12/1997 – WEBSITE

Mainz – Der WEISSE RING startet eine eigene Webseite: www.weisser-ring.de

12/1997 – OPFERANWALT

Bonn – Der Opferanwalt auf Staatskosten wird gesetzlich verankert – eine Forderung des WEISSEN RINGS.

01/2002 – GEWALTSCHUTZGESETZ

Berlin – Mit dem in Kraft getretenen Gewaltschutzgesetz ist ein weiterer Meilenstein erreicht: Gewalttäter können demnach aus der eigenen Wohnung verwiesen werden.

04/2002 – AMOKLAUF

Erfurt – Am Gutenberg-Gymnasium tötet ein Ex-Schüler 17 Menschen. Elton John spendet den Erlös eines Konzerts. 172.000 Euro werden auf das Spendenkonto des WEISSEN RINGS überwiesen, der den Opfern hilft.

10/2002 – ERSTBERATUNG

Mainz – Einführung des Hilfeschecks für eine psychotraumatologische Erstberatung.

2002 – RICHARD OETKER

Mainz – Der Unternehmer Richard Oetker, der die Opferperspektive kennt, engagiert sich aktiv für den WEISSEN RING, etwa im Bundesvorstand. Im Jahr 1976 war er entführt und gefoltert worden.

11/2002 – SCHOCKSCHÄDEN

Berlin – Angehörige mit Schockschäden können jetzt auch OEG-Leistungen erhalten.

03/2007 – STALKING

Berlin – Angehörige mit Schockschäden können jetzt auch OEG-Leistungen erhalten.

12/2008 – BOTSCHAFTER

Mainz – Der WEISSE RING benennt offizielle Botschafter. Dazu zählen der Sänger Stefan Gwildis, die Boxerin Regina Halmich und der Moderator und Journalist Jean Pütz.

08/2009 – OPFER-TELEFON

Mainz – Start des bundesweiten Opfer-Telefons: Betroffene bekommen an sieben Tagen in der Woche anonyme, schnelle und unbürokratische Hilfe von geschulten Ehrenamtlichen.

11/2012 – STIFTUNG

Düsseldorf – Die WEISSER RING Stiftung wird gegründet. Sie fördert Forschung zu Opferhilfe und Kriminalprävention.

19.12.2016 – ANSCHLAG BREITSCHEIDPLATZ

Berlin – Am 19. Dezember 2016 steuert ein islamistischer Terrorist einen Lkw in eine Menschenmenge auf dem Berliner Breitscheidplatz und tötet 13 Menschen. Der WEISSE RING unterstützt Opfer und Angehörige.

01.06.2019 – WALTER LÜBCKE

Wolfhagen – Ein Rechtsextremist ermordet den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke auf dessen Terrasse. Der WEISSE RING begleitet die Familie Lübcke in dieser schweren Zeit.

01/2022 – RECHERCHE

Mainz – Mit einer großen Recherche belegt das Magazin des WEISSEN RINGS, dass die Entschädigung oft nicht bei Opfern ankommt. Das Gesetz ist unbekannt, das Antragsverfahren demütigend, und viele Anträge werden abgelehnt.

04.02.2022 – ELEKTRONISCHE FUSSFESSEL

Mainz – Aufgrund der vielen Gewalttaten an Frauen fordert der Verein den Einsatz der elektronischen Fußfessel gegen Täter und sammelt mit der Petition Unterschriften dafür. Die Forderung wird erneut mit einer umfangreichen Recherche untermauert.

12/2023 – BRANDBRIEF

Mainz – Dr. Patrick Liesching, Bundesvorsitzender des WEISSEN RINGS, appelliert in einem Brandbrief an die Bundesregierung, die gesetzlichen Bedingungen zum Einsatz der elektronischen Fußfessel zu schaffen.

01.01.2024 – OEG INS SOZIALGESETZBUCH

Berlin – Durch die Überführung des OEG ins neue Sozialgesetzbuch XIV entstehen Verbesserungen für Opfer: So wird zum Beispiel psychische Gewalt berücksichtigt, zudem gibt es Schnelle Hilfen, etwa durch Traumaambulanzen.

02.04.2024 – HAFTSTRAFE

Hochsauerlandkreis – Der Ex-Außenstellenleiter des WEISSEN RINGS im Hochsauerlandkreis wird wegen Vergewaltigung zu einer Haftstrafe verurteilt. Der Verein hatte ihn von seinen Aufgaben entbunden und Anzeige erstattet.

20.12.2024 – ANSCHLAG IN MAGDEBURG

Magdeburg – Bei einem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg tötet ein 50-Jähriger sechs Menschen und verletzt knapp 300. Der WEISSE RING begleitet Opfer, Angehörige, Ersthelfende und Zeugen.

01/2025 – MULTIMEDIA-KAMPAGNE

Mainz – Mit der multimedialen Kampagne „Digitale Gewalt – Reale Folgen“ klärt der WEISSE RING über digitale Gewalt, ihre Formen und Folgen, geltendes Recht und Hilfe für Opfer auf.

08.05.2026 – ELEKTRONISCHE FUSSFESSEL

Berlin – Der Bundestag beschließt mit großer Mehrheit die Einführung der elektronischen Fußfessel.

2026

50 JAHRE WEISSER RING

Mainz – Der WEISSE RING feiert sein 50-jähriges Bestehen, mit rund 40.000 Mitgliedern, 18 Landesverbänden, 3.000 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und rund 400 Außenstellen.