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„Tatort Geschichte – True Crime meets History“

Bayerischer Rundfunk 2

Keine zwei Jahre nach ihrer Hochzeit ordnet Ludwig II., Beiname „der Strenge“, an, seine Ehefrau Maria von Brabant in Donauwörth zu töten. Wegen eines angeblichen Ehebruchs. Eine Verwechslung soll ihr zum Verhängnis geworden sein: Als Ludwig in der Rheinpfalz Krieg führt, schickt seine Frau ihm einen Brief, um ihn zur Heimkehr zu bewegen. Einem befreundeten Ritter schreibt sie ebenfalls. Ein Bote verwechselt die Briefe, und aufgrund einer falsch gedeuteten Formulierung wittert Ludwig Untreue. Quellen deuten jedoch darauf hin, dass der Vorwurf nicht berechtigt war. Ein Prozess findet nicht statt.

Im Bayern-2-Podcast „Tatort Geschichte“ widmen sich Niklas Fischer und Hannes Liebrandt, Historiker an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, diesem Fall. „Der tödliche Verdacht: Maria von Brabant – Opfer eines Femizids?“ lautet der Titel.

Es ist bezeichnend, dass die um 1226 geborene Maria von Brabant erst durch ihren Tod in Quellen Erwähnung findet, obwohl sie als Tochter von Herzog Heinrich II. und Urenkelin von Kaiser Friedrich Barbarossa zu einer der bedeutendsten Dynastien gehört, den Staufern.

Bereits als Kind, 1236, wird sie laut Fischer und Liebrandt „Teil einer politischen Abmachung“ und mit Ludwig II., Herzog von Bayern, zwangsverheiratet. Ehen sollten damals dazu beitragen, Bündnisse zu schließen und Konflikte zu lösen. Möglicherweise hatte auch Maria von Brabandts Tod machtpolitische Gründe. Fischer und Liebrandt ordnen den Fall historisch wie gesellschaftlich ein, sichten Chroniken und Urkunden und interpretieren diese mit Gesprächspartnerinnen wie Prof. Julia Burkhardt, die an der LMU mit einem interdisziplinären Team Femizide im Mittelalter und der Frühen Neuzeit untersucht.

In der vorangegangenen Folge, „Godeleva: In die Nacht gelockt, im Dunkeln getötet“, ist der Tatort, Flandern, ein anderer. Doch auch in dieser von Hierarchien geprägten Gesellschaft ist die Ehe „politisch aufgeladen“, so der Podcast. Leidtragende sind meist Frauen wie Godeleva. Die 1052 geborene und 1070 getötete Tochter eines Ritters will wohl Nonne werden, aber die Grafen von Flandern und Boulogne arrangieren eine Ehe mit Bertolf von Ghistelles.

Eines Nachts lockt ihr Mann sie in eine Falle. Er erzählt, seine beiden Diener würden sie zu einer Frau bringen, die ihre Ehe retten könne. Doch die Männer erwürgen die junge Frau. Ihr Tod wird als Höhepunkt eines Martyriums beschrieben: Bald nach der Hochzeit hat Bertolf begonnen, sie zu hassen, vermutlich angestachelt von seiner Mutter. Ungefähr 14 Jahre später schreibt ein Mönch Godelevas „Heiligengeschichte“ auf. Dadurch wird sie sichtbar gemacht – aber auch von der Kirche, die sie heiligspricht, instrumentalisiert.

Der Podcast hält zum einen die Erinnerung an die vor langer Zeit getöteten Frauen wach. Zum anderen spannen Fischer und Liebrandt den Bogen in die Gegenwart und verdeutlichen auch mit Statistiken, wie viele Frauen Opfer werden. Vor allem aber machen sie auf die seit vielen Jahrhunderten bestehende „anthropologische Konstante“ der Gewalt gegen Frauen und die Folgen aufmerksam – sowie auf die Machtstrukturen und Rollenbilder dahinter.

Morde an Frauen waren schon früher bei Weitem keine Einzelfälle. Und vermeintliche Ehebrüche wurden häufig als Argument verwendet, um Femizide zu rechtfertigen. Diese „Erklärung“ schien plausibel: Frauen hatten Erwartungen zu erfüllen, ihrem Mann und Adelsinteressen zu dienen. Wer das nicht tat, wurde bestraft, wobei Gewalt als „interne Angelegenheit“ der Familie galt. Die Taten der Männer wurden derweil relativiert oder entschuldigt, Täter kamen glimpflich davon. Ludwig II. zum Beispiel gründete ein „Sühnekloster“.

https://www.ardsounds.de/sendung/tatort-geschichte-true-crime-meets-history