„Liebesbetrüger“ erbeuten mindestens 50 Millionen Euro
Durch Love-Scam („Liebesbetrug“) haben Betroffene in Deutschland im Jahr 2024 mindestens 50 Millionen Euro verloren. Das ergab eine Umfrage des WEISSER RING Magazins bei allen 16 Landeskriminalämtern.
Die Zahlen sind aus dem Jahr 2024. *Bayern, Bremen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und das Saarland konnten keine Daten vorlegen. Quelle: Umfrage des WEISSER RING Magazins bei allen 16 Landeskriminalämtern.
Love-Scams sind der Heiratsschwindel des digitalen Zeitalters: Betrüger suchen ihre Opfer vor allem auf Dating-Plattformen, in sozialen Netzwerken oder per E-Mail. Über Nachrichten bauen sie wochen- oder monatelang Vertrauen auf, sprechen von Gefühlen, spielen dann eine Notlage vor und drängen auf Überweisungen oder Geschenkkarten.
Mit dieser Masche erbeuten sie viele Millionen Euro, wie die Länderumfrage zeigt. Demnach betrug der Schaden durch Love-Scams allein in Baden-Württemberg im Jahr 2024 rund 18 Millionen Euro. Sachsen-Anhalt meldet für das Jahr Verluste in Höhe von insgesamt 1,6 Millionen Euro, im Jahr 2020 waren es noch knapp 786.000 Euro. In Mecklenburg-Vorpommern wuchs der Schaden von rund 330.000 Euro im Jahr 2022 auf mehr als 2,1 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Online-Liebesbetrug war in dem Bundesland die ertragreichste Masche aller polizeilich registrierten Trickbetrügereien, die in der Summe einen Schaden von 6,5 Millionen Euro verursachten.
Info
Das Phänomen Love-Scam wird in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) nicht gesondert erfasst, sondern findet sich in der Regel als Variante im Bereich der allgemeinen Betrugsdelikte im Strafgesetzbuch (StGB) nach § 263.
Auch die Fallzahlen steigen: In Sachsen-Anhalt hat sich die Zahl der erfassten Love-Scams seit 2020 mehr als verdoppelt, von 71 auf 153. In Berlin gab es 2024 insgesamt 433 angezeigte Taten mit einem gemeldeten Schaden von Rund 5,62 Millionen Euro, ein Jahr später waren es 560 Fälle mit einem Schaden von 5,68 Millionen Euro. In Hessen stieg die Zahl von 34 im Jahr 2019 auf 52 im Jahr 2024. Mögliche Erklärungen: Die fortschreitende Digitalisierung führt dazu, dass sich immer größere Teile des sozialen Lebens in den digitalen Raum verlagern, wo die Täter ihre Opfer suchen. KI-Bots ermöglichen es den Tätern, unzählige Konversationen gleichzeitig zu führen, die sprachlich glaubwürdiger wirken als früher. Das LKA Berlin schreibt, dass verstärkte Prävention und Aufklärung über die Betrugsmasche die Anzeigenbereitschaft von Betroffenen gesteigert haben könnte.
Pro Fall entsteht Betroffenen in Nordrhein-Westfalen nach LKA-Angaben häufig ein finanzieller Schaden im vier- bis sechsstelligen Bereich. Das LKA Sachsen-Anhalt beobachtet, dass die Opfer vorrangig weiblichen Geschlechts und älter als 40 Jahre waren. Doch auch Männer sind vor der Betrugsmasche nicht gefeit: In Baden-Württemberg meldete die Kreispolizeibehörde in Aalen im Januar 2025, dass ein Mann einer angeblichen Notfallärztin eines Militärcamps im Jemen insgesamt rund 2,3 Millionen Euro überwiesen hat. Der Mann hatte die angebliche Geliebte auf einer Dating-Plattform kennengelernt.
Bis auf Bayern, Bremen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und das Saarland haben alle Landeskriminalämter dem WEISSER RING Magazin Daten bereitgestellt. Die Zahlen stammen hauptsächlich aus der Eingangsstatistik der polizeilichen Auskunftssysteme. Sie geben Hinweise auf die Dimension von Love-Scam in Deutschland und die Entwicklung in den vergangenen Jahren. Allerdings sind sie nicht als abschließend zu werten. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) nimmt keine detaillierte Aufschlüsselung nach dem Modus Operandi vor: Love-Scams fallen in der Regel unter Betrugsstraftaten nach § 263 StGB. Manche Polizeibehörden markieren intern Fallmerkmale oder Betrugsmaschen, andere nicht. Darüber hinaus ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, da Scham oder Angst vor Blamage viele Opfer davon abhält, Anzeige zu erstatten. Das LKA Hamburg schreibt: „Nicht selten werden Taten erst durch die Initiative von Bekannten oder nahen Verwandten bekannt und angezeigt.
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