"Der Blick muss weg vom Täter und hin zum Opfer – so wie es der WEISSE RING seit 50 Jahren vorlebt", sagte Bundesjustizministerin Dr. Stefanie Hubig.

„Der Blick muss weg vom Täter und hin zum Opfer – so wie es der WEISSE RING seit 50 Jahren vorlebt“, sagte Bundesjustizministerin Dr. Stefanie Hubig.

Datum: 26.09.2026

WEISSER RING feiert 50-jähriges Jubiläum

Im Kurfürstlichen Schloss in Mainz hat der WEISSE RING sein 50-jähriges Bestehen gefeiert. Seit seiner Gründung hat der Verein mehr als 680.000 Betroffenen geholfen. Zu den Festrednerinnen gehörte auch Bundesjustizministerin Dr. Stefanie Hubig.

Der WEISSE RING, Deutschlands größte Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer, steht nun seit 50 Jahren an der Seite der Betroffenen. Gegründet wurde der Verein am 24. September 1976 von zwei Frauen und 15 Männern, unter ihnen ZDF-Moderator und Aktenzeichen XY-Erfinder Eduard Zimmermann. „Wir sind sehr glücklich, dass unser Verein schon seit einem halben Jahrhundert besteht. Das haben wir all den Menschen zu verdanken, die sich seit Jahren mit viel Leidenschaft und Engagement für die Belange von Betroffenen einsetzen und für sie da sind“, sagte Barbara Richstein, Bundesvorsitzende des WEISSEN RINGS. Rund 3.000 ehrenamtliche Mitarbeitende sind bundesweit im Einsatz: direkt vor Ort, am Opfer-Telefon oder in der Onlineberatung. Mehr als 680.000 Betroffene haben die Opferhelferinnen und Opferhelfer in den vergangenen 50 Jahren betreut, 170.000.000 Euro an Opferhilfen wurden dabei ausgezahlt.

Der Verein finanziert sich nach wie vor ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden, Geldbußen und testamentarische Zuwendungen, er erhält keine staatlichen Mittel. „Diese Unabhängigkeit ist uns enorm wichtig. So können wir als Lobbyisten für Opfer die Politik kritisieren, ohne finanziell auf sie angewiesen zu sein“, sagte Richstein. „Daher freuen wir uns über jede Mitgliedschaft und jede Spende. Jeder Euro unterstützt und sichert unsere Arbeit.“ Fast 40.000 Mitglieder zählt der Verein in ganz Deutschland.

Alle Informationen zu einer Mitgliedschaft finden sich hier:
https://weisser-ring.de/unterstuetzung/mitgliedschaft

Hier geht es zur Spenden-Webseite des WEISSEN RINGS:
https://spenden.weisser-ring.de/

„Jedes Opfer hat eine Geschichte. Wir sehen sie.“ – das ist der aktuelle Kampagnen-Slogan des WEISSEN RINGS zum Jubiläum. „Uns war wichtig, dass wir mit diesem Satz die individuelle Opferhilfe betonen“, so Richstein. „Die Betreuung ist immer an die Bedürfnisse des jeweiligen Opfers angepasst, jeder Fall ist anders und das zeigt sich auch in unserer Hilfe. Mit der Kampagne möchten wir aber auch unsere ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer feiern, die diese individuelle Fallbegleitung leisten, daher sind einige von ihnen gerade auf unseren aktuellen Plakaten abgebildet.“ Auf mehr als 1.000 Flächen im öffentlichen Raum, online und auf Social Media läuft die Jubiläumskampagne. Prominente Unterstützerin ist Collien Monica Fernandes. Auch sie ist auf verschiedenen Motiven zu sehen. „Wir freuen uns sehr, dass Collien Monica Fernandes bei unserem Jubiläum dabei ist. Sie ist zu einer der Stimmen im Kampf gegen sexualisierte digitale Gewalt geworden, den wir als WEISSER RING unterstützen. Es ist wichtig, dass digitale Gewalt endlich auch als reale Gewalt wahrgenommen wird“, sagt Richstein.

Alles Wissenswerte zur Kampagne ist auf dieser Webseite nachzulesen: www.weisser-ring.de/50Jahre

Sein Jubiläum feierte der Verein an diesem Samstag, 26. September, mit einem Festakt im Mainzer Kurfürstlichen Schloss, bei dem auch hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der Politik anwesend waren.

Bundesjustizministerium Dr. Stefanie Hubig (SPD) sagte: „Gewalt ist nach wie vor ein riesiges Problem in unserer Gesellschaft. In der Bundesregierung gehen wir das Thema Schutz vor Gewalt deshalb mit aller Konsequenz an. Neben gesetzlichen Veränderungen brauchen wir auch ein Umdenken. Der Blick muss weg vom Täter und hin zum Opfer – so wie es der WEISSE RING seit 50 Jahren vorlebt. Für das große Engagement, insbesondere der Ehrenamtlichen, sage ich herzlich Danke.“

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) hielt ebenfalls ein Grußwort bei der Feierlichkeit: „Wer Opfer einer Straftat wird, braucht schnelle und verlässliche Hilfe. Seit 50 Jahren steht der WEISSE RING den Betroffenen und ihren Angehörigen zur Seite und ist heute die größte deutsche Hilfsorganisation für den Opferschutz. Dafür danke ich allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Rheinland-Pfalz steht fest an der Seite des WEISSEN RINGS. Mit neun Traumaambulanzen und weiteren Hilfen für Kinder und Jugendliche stärken wir den Opferschutz in unserem Land. Wir helfen, wenn Menschen Unterstützung brauchen. Dem WEISSEN RING gratuliere ich herzlich zum 50-jährigen Bestehen“, so Schnieder.

Repräsentantin der Stadt Mainz war Sozialdezernentin Jana Schmöller (SPD): „50 Jahre WEISSER RING stehen für fünf Jahrzehnte Menschlichkeit, Mut und gelebte Solidarität. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, dessen Leben durch Gewalt erschüttert wurde, und Menschen, die nicht wegschauen, sondern zuhören, begleiten und Halt geben. Dafür gebührt dem WEISSEN RING unser tiefster Respekt und unser herzlicher Dank. Denn Opferschutz bedeutet nicht nur Hilfe in der Not, sondern auch das klare Signal: Du bist nicht allein.“

Nach den politischen Grußworten war das Programm vor allem den Ehrenamtlichen gewidmet: Prof. Dr. Heinz Schöch ist seit 36 Jahren Mitglied des WEISSEN RINGS und bis heute Teil des Bundesvorstands. In seinem Vortrag blickte er zurück auf die Errungenschaften der vergangenen 50 Jahre im Strafrecht, beispielsweise die Einführung des Zeugenschutzgesetzes 1998, sowie – ganz aktuell – die Etablierung der sogenannten elektronischen Fußfessel zum Schutz von Opfern häuslicher Gewalt. Schöch bekam die Ehrenmitgliedschaft des Vereins verliehen.

Mareike Luisa Groß sprach über ihre persönliche Geschichte. Sie konnte sich aus einer gewaltvollen Beziehung befreien und arbeitet jetzt als ehrenamtliche Mitarbeiterin für den WEISSEN RING. „Ich freue mich, jetzt die helfende Hand zu sein, die Betroffene so dringend brauchen“, sagte sie.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Talkrunde, die an Fälle erinnerte, die die bundesdeutsche Geschichte wie auch den Verein geprägt haben: Sabine Hartwig, frühere Landesvorsitzende des WEISSEN RINGS Berlin, berichtete über den Terroranschlag am Breitscheidplatz und die neuen helfenden Strukturen, die der Verein danach aufbaute. Heinz Habermann, stellvertretender Außenstellenleiter im Main-Kinzig-Kreis, war 2020 als Koordinator für Großereignisse nach dem Anschlag in Hanau aktiv, Cornelia Stietzel als Leiterin der Außenstelle in Magdeburg nach der sogenannten Amokfahrt am Weihnachtsmarkt 2024. Auch sie blickten zurück und berichteten über ihre Erlebnisse und Erfahrungen in der Opferhilfe. Petra Klein, stellvertretende Bundesvorsitzende, hatte mit einem anderen großen Fall zu tun: Sie kümmerte sich gemeinsam mit ihrem Team um die Betroffenen der Mordserie in Krankenhäusern in Oldenburg und Delmenhorst. Der Mammut-Prozess, an dem Hunderte Angehörige teilnahmen, fand 2018 und 2019 in den Weser-Ems-Hallen in Oldenburg statt.

Eine besondere Jubiläumsaktion hatte sich das Radsportteam WEISSER RING Hamburg überlegt: 13 Männer und Frauen im Alter von 50 bis 68 Jahren haben eine sechstätige Radtour von Hamburg nach Mainz unternommen, um auf die Belange von Kriminalitätsopfern und die Arbeit des WEISSEN RINGS aufmerksam zu machen. „Wir wollen damit ein sichtbares Zeichen der Solidarität setzen“, sagt Carsten Hingst, Leiter der Radsportgruppe, die sich unter anderem aus aktiven und pensionierten Polizistinnen und Polizisten zusammensetzt. In sechs Etappen über Bremen, Osnabrück, Dortmund, Köln und Koblenz bis nach Mainz trafen die Sportlerinnen und Sportler die ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Landesverbände zu Veranstaltungen.