Ein Hauch von Start-up
Die neue GmbH setzt sich aus der Ehrenamtsakademie und dem Impact Campus zusammen: Während sich die Akademie auf die Ausbildung der Ehrenamtlichen konzentriert, soll der Impact Campus dem Verein neue Einnahmen bringen.
Ruth Neri, Jahrgang 1968, ist seit 2025 an der Spitze der WEISSER RING Perspektiv GmbH. Zuvor war sie Geschäftsführerin der DKMS LIFE.
Das Projekt, das die Zukunft des WEISSEN RINGS mitgestalten soll, wird von einem weißen Ritter bewacht. Zugegeben, ein wenig Vorstellungsvermögen braucht es, um den Beschützer in dem abstrakten, bunten Gemälde erkennen zu können, das da weiß gerahmt in Ruth Neris Büro in Mainz-Weisenau auf einem Aktenschrank steht. Aber dort, wo Neues entsteht, kann Fantasie nie schaden. „Da oben ist ein Kopf mit Helm. Hier ein Bäuchlein.“ Neri deutet mit der Hand auf das Kunstwerk, das sie von einer Freundin geschenkt bekommen hat und das sie seit ihrem beruflichen Start begleitet. „Und was das ist, weiß ich auch nicht.“ Was Neri dafür aber umso genauer weiß: Bei der Aufgabe, die sie zu meistern hat, ist jede Unterstützung willkommen.
Zwei Säulen
Seit Juli 2025 ist Neri Geschäftsführerin der Perspektiv GmbH des WEISSEN RINGS. Die 58-Jährige trägt halblanges braunes Haar, ist mit weißer Bluse und Sneakers sportlich-elegant gekleidet und hat ein Strahlen im Gesicht, wenn sie durch die neuen Büros in der Alexander-Diehl-Straße 2 a in Weisenau führt. Das Team, das aus sieben Mitarbeitenden inklusive Geschäftsführerin besteht, ist gerade eingezogen und hat jetzt seine eigenen Räumlichkeiten. Alles fühlt sich nach Aufbruch an, als würde hier ein kleines Start-up entstehen. Und eigentlich ist genau das der Fall. Denn seit gut einem Jahr arbeitet diese kleine Gruppe daran, die Perspektiv GmbH auf Zukunftskurs zu bringen.
Die GmbH, die dem Verein neue Einnahmen bringen soll, setzt sich aus zwei Säulen zusammen: Zum einen gibt es die Akademie für die Ausbildung der ehrenamtlichen Mitarbeitenden. „Hier wird sich nichts ändern“, so Neri. „Die Qualität und das Angebot werden weiter so bestehen bleiben wie bisher.“ Zum anderen wird es bald den sogenannten Impact Campus geben, der Trainings für Unternehmen und Social Business vereint.
Dieser Name sei nicht zufällig gewählt, so Neri: „Wir haben ein Wort gesucht, das man als Namen in der Wirtschaft schnell versteht. Einen Campus stellt man sich wie eine Hochschule oder Universität vor.“ Dazu passe das, was im wirtschaftlichen Bereich geplant sei: „Auf einem Campus gibt es auch ein Café oder einen Buchladen oder einen Shop. Hier können Veranstaltungen und Kooperationen stattfinden.“ Mit neuen Angeboten möchte sie die Wirkung des WEISSEN RINGS vergrößern – den Impact sozusagen, daher der zweite Teil des Namens. Das geht nicht alles auf einmal, das Angebot soll Stück für Stück erweitert werden.
Trainings für Unternehmen
Auf der Internetseite, die in diesem Sommer online geht, werden als Erstes die Trainings für Firmen zu finden sein: zum Beispiel zu Themen wie Zivilcourage, Mobbing oder Umgang mit sexualisierter Gewalt am Arbeitsplatz. „Es wird außerdem Trainings im Bereich Resilienz geben, um gestärkt im Umgang mit Betroffenen zu sein. Da spielen opfersensible Kommunikation und Selbstfürsorge eine Rolle. Und wir richten uns auch an Unternehmen, bei denen etwas vorgefallen ist und die anlassbezogene Unterstützung brauchen. Solche Anfragen hatten wir in der Vergangenheit häufig“, sagt Neri. Zielgruppen sind Führungskräfte, Betriebsräte oder auch die gesamte Belegschaft.
Die Auswahl der Trainings baut auf der Erfahrung der vergangenen Jahre auf. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Mitarbeitenden und Referierenden, die bereits für die Ehrenamtsakademie tätig sind, hat das Team die Kurse entwickelt, die jetzt vertrieben werden. „Unser wichtigstes Alleinstellungsmerkmal sind die Werte des Vereins, wie Solidarität und Menschlichkeit, die Perspektive und vor allem die Expertise des WEISSEN RINGS“, betont Neri. Im Moment bestehe das Trainer-Team aus sechs Personen. „Damit können wir verlässlich starten. Wenn jetzt eine riesige Nachfrage kommt, müssen wir reagieren, aber das schaffen wir auch, weil die Konzepte fertig sind“, erklärt Neri.
Das Social Business
Nicht nur Trainings seien für Unternehmen relevant, sondern auch Kooperationen mit dem WEISSEN RING. „Da Themen wie häusliche oder sexualisierte Gewalt leider Alltag sind, bin ich sicher, dass wir Unternehmen finden, die gern mit uns zusammenarbeiten wollen, beispielsweise im Rahmen einer Kampagne.“ Eine andere Idee sind sogenannte Social Days bei Firmen. „Wir könnten in diesem Rahmen Workshops für Mitarbeitende anbieten.“ Als Beispiel nennt sie ein Projekt aus ihrer vorherigen Tätigkeit bei der DKMS LIFE, deren Zweck es war, das Selbstwertgefühl und damit die Gesundheit von Krebspatientinnen zu stärken: „Wir waren damals bei L’Oréal und haben zusammen mit deren Mitarbeitenden Armbänder für Brustkrebspatientinnen geknüpft, die wir dann weitergegeben haben. Das kam super an.“
Ausblick
Bei allem, was sie tut, hat Neri die Zahlen im Blick. Ihr Ziel sei es, dass sich das Unternehmen in drei Jahren selbst trägt und Gewinne bringt. So ist es auch vom Verein vorgegeben. Und ansonsten, sagt Ruth Neri, „freue ich mich einfach, dass die Akzeptanz für die GmbH, bei der das Ehrenamt anfangs kritisch war, weiter wächst. Denn ohne das Ehrenamt gäbe es den Verein nicht, auch nicht die Akademie und den Impact Campus. Das Ehrenamt ist aus meiner Sicht der größte Schatz des Vereins. Wir profitieren von dieser Reputation und werden die Ehrenamtlichen auch bei uns einbinden.“
Die Geschäftsführerin versteht sich als Ideen- und Impulsgeberin, das möchte sie auch bei ihrem Team und im Ehrenamt fördern. „Wenn etwas nicht gelingt, versuch ich’s einfach nochmal und dann nochmal“, so Neri. „Ich darf daran teilhaben, etwas bewegen, das ist doch Glück pur.“
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