Das Team in Mainz
Von außen wirkt die Bundesgeschäftsstelle des WEISSEN RINGS in Mainz-Weisenau fast unscheinbar: ein rosafarbenes Gebäude, eine graue Eingangstür, daneben das blau-weiße Logo des Vereins. Hinter der Klingel jedoch kümmern sich Menschen hauptamtlich täglich darum, dass Deutschlands größte Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer funktioniert. Die Bundesgeschäftsstelle ist Schaltzentrale, Beratungsort, Organisationszentrum und politisches Sprachrohr zugleich. Rund 80 Mitarbeitende unterstützen hier die bundesweite Arbeit des Vereins – von Opferhilfe und Prävention über Digitales Ehrenamt bis zur Geschäftsführung.
Opferhilfe
Das Telefon klingelt, während eine Mitarbeiterin der Sachbearbeitung gerade einen neuen Fall in die Datenbank einträgt. Es geht um eine ältere Frau, der beim Einkaufen das Portemonnaie gestohlen wurde. Das ehrenamtliche Team vor Ort hat bereits mit 150 Euro schnell geholfen, damit die Betroffene die nächsten Tage bis zur Auszahlung der Rente überstehen kann. Noch bevor der Vorgang abgeschlossen werden kann, meldet sich ein Außenstellenleiter aus Niedersachsen. Eine Frau sei gerade mit ihren Kindern ins Frauenhaus geflohen. Mittellos. Verängstigt. Die Frage am anderen Ende der Leitung: Welche Hilfsmöglichkeiten gibt es, um der Familie langfristig zu helfen?
So sieht Alltag in der Sachbearbeitung des Teams Opferhilfe beim WEISSEN RING aus. Zwischen Telefonaten, E-Mails und neuen Fällen versuchen Cara Böhmer und Johanna Herz gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen, Ehrenamtliche zu unterstützen und damit Menschen nach Straftaten möglichst schnell zu helfen. „Man möchte die Dinge nicht liegen lassen“, sagt Juristin Johanna Herz. „Weil man weiß: Hinter jedem Vorgang steht ein Mensch, der gerade auf Hilfe wartet.“
„Hinter jedem Vorgang steht ein Mensch, der gerade auf Hilfe wartet“, sagt Johanna Herz (links). Sie und Cara Böhmer (rechts) leiten die Abteilung Opferhilfe.
Es gibt schnelle Hilfen beim WEISSEN RING, über deren Ausgabe das Ehrenamt vor Ort entscheidet. Dazu gehören eine finanzielle Soforthilfe von bis zu 200 Euro und ein Hilfescheck für die rechtliche Erstberatung. Weitergehende Bedarfe wie beispielsweise Umzugskosten, Frauenhauskosten, Türsicherungen, Reparaturen, tatbedingte Schulden oder Kosten für einen Rechtsbeistand, die sich im Gespräch mit den Betroffenen ergeben, werden vom Ehrenamt im Team Opferhilfe beantragt, dort geprüft und freigegeben. „Grundsätzlich kann bei Opferhilfen in alle Richtungen gedacht werden“, sagt Böhmer. „Aufgabe unseres Teams ist es, andere Leistungsträger mitzudenken und in komplizierten Fällen Hilfe möglich zu machen.“
Monatlich landen über 1.800 neue Fälle aus ganz Deutschland auf den Tischen der Sachbearbeitung. Viele Fälle begleiten die Mitarbeitenden über Monate, weil immer wieder Bedarfe entstehen.
Die Landesbüros
Der WEISSE RING ist in 18 Landesverbände eingeteilt. Bayern und Nordrhein-Westfalen werden aufgrund ihrer Größe in zwei Regionen unterteilt. In den Landesbüros des Vereins arbeiten deutschlandweit rund 40 hauptamtlich Mitarbeitende. Sie unterstützen den jeweiligen Landesvorstand und die Ehrenamtlichen vor Ort, organisieren verschiedene Veranstaltungen und halten den regelmäßigen Kontakt nach Mainz.
Digitales Ehrenamt
Maria Wagner-Monsees leitet beim WEISSEN RING das Digitale Ehrenamt. Rund 180 Ehrenamtliche arbeiten bundesweit für Opfer-Telefon, Onlineberatung und Digitale Außenstelle. „Unsere Ehrenamtlichen machen Nähe trotz Distanz möglich“, sagt Wagner-Monsees, die nicht zufällig zum WEISSEN RING kam. In ihrer früheren Arbeit als Diplom-Pädagogin mit systemischer Zusatzausbildung betreute sie überwiegend Frauen mit Gewalterfahrungen – und empfahl ihnen damals schon häufig den Verein. „Dort sind sie in guten Händen.“
In Mainz kümmert sich ein Team aus sechs Mitarbeitenden inklusive Leitung darum, dass beim Digitalen Ehrenamt alles reibungslos läuft. Sie organisieren die Dienstpläne, sorgen dafür, dass alle mit Equipment wie Telefonen ausgestattet sind. Sie helfen und koordinieren, wenn die Software bei Ehrenamtlichen nicht funktioniert, haben ein offenes Ohr für sie.
Jedes Jahr gibt es ein Auswahl- und Ausbildungsverfahren für neue Ehrenamtliche, das ebenfalls das hauptamtliche Teamorganisiert und gemeinsam mit Ehrenamtlichen umsetzt. „Gerade beim Opfer-Telefon, das von 7 bis 22 Uhr erreichbar ist, müssen wir gewährleisten, dass das auch funktioniert“, so Wagner-Monsees. Bei der Onlineberatung habe es Anfang des Jahres so viele Anfragen gegeben, dass die Beratung kurzfristig nicht erreichbar war und gestoppt werden musste. „So soll es natürlich nicht sein. Nach dem Auswahlverfahren konnten wir aber neue Onlineberatende ausbilden, so dass wir jetzt wieder gut aufgestellt sind.“ Einen solchen Engpass hat es bisher aber noch nie gegeben, so Wagner-Monsees.
Am Opfer-Telefon sind im vergangenen Jahr über 24.000 Gespräche geführt worden, an die Onlineberatung haben sich 2025 rund 3.000 Ratsuchende gewandt, und die Digitale Außenstelle hat seit ihrer Gründung im April bis Dezember 2025 über 1.000 Fälle betreut.
Maria Wagner-Monsees (links) leitet das Digitale Ehrenamt. Florian Wedell (rechts) verantwortet den Fachbereich Medizin/Psychologie.
Fachbereich Medizin/Psychologie
Eine Frau kann nach einer Vergewaltigung das eigene Schlafzimmer nicht mehr betreten. Ein Mann kämpft darum, dass ein Leistungsträger weitere Therapiestunden bezahlt. Viele Betroffene wenden sich in solchen und anderen Situationen hilfesuchend an den WEISSEN RING. Über die Ehrenamtlichen werden daraus konkrete Hilfebedarfe abgeleitet und geprüft, ob diese umsetzbar sind. Hier kommt Florian Wedell ins Spiel. „Meine Aufgabe besteht vorrangig darin, die Umsetzung von Hilfeleistungen wie etwa die materielle Opferhilfe unter Vorbehalt zur Finanzierung einer Therapie zu prüfen und eine fachlich fundierte Empfehlung zur Übernahme auszusprechen“, sagt der Psychologe.
Neben der Fallarbeit erarbeitet Wedell Informationsmaterialien, bringt psychologische Perspektiven in politische Stellungnahmen ein oder beteiligt sich an der Aus- und Weiterbildung der Ehrenamtlichen. Außerdem organisiert er die wiederkehrende bundesweite Fachtagung für Traumaambulanzen und vertritt den WEISSEN RING in fachspezifischen Gremien.
Wedell arbeitet nach beruflichen Stationen bei der Bundeswehr, in verschiedenen Kliniken und im Justizvollzug seit 2021 beim WEISSEN RING als Psychologe in der Bundesgeschäftsstelle. Für ihn sei die Stelle eine „Once-in-a-Lifetime-Chance“ gewesen, erzählt er. „Weil hier zwei Themen zusammenkommen, die mich schon lange beschäftigen: Kriminalität und die Frage, was mit Menschen passiert, nachdem sie Opfer geworden sind.“
Dass die Opferperspektive häufig untergehe, beobachtet er abseits seiner Arbeit auch gesellschaftlich. „Der Fokus liegt meist auf dem Täter“, sagt er. Gerade in Medien oder True-Crime-Formaten verschwänden die Geschichten der Betroffenen häufig im Hintergrund. Dabei gehe es für viele Opfer nicht nur um die Straftat selbst, sondern um die Folgen danach: Ängste, Isolation, finanzielle Probleme oder das Gefühl, die Kontrolle über das eigene Leben verloren zu haben.
Kriminalprävention
„Prävention ist immer Teamarbeit. Nur gemeinsam können wir Menschen erreichen und nachhaltig stärken“, sagt Céline Sturm (links). Anne Werner (rechts) ist wie sie Referentin für Kriminalprävention.
Auf dem Flipchart ziehen sich Pfeile zwischen Begriffen wie digitale Gewalt, Zivilcourage oder Cyberstalking. Anne Werner und Céline Sturm bewegen sich mit Leichtigkeit zwischen den einzelnen Themen, ergänzen Beispiele und erzählen von Netzwerkarbeit und neuen Betrugsmaschen. Prävention bedeute vor allem: Menschen zu stärken und handlungsfähig zu machen. Ein Satzungsziel. Werner und Sturm arbeiten als Referentinnen für Kriminalprävention in der Bundesgeschäftsstelle. „Das Herz der Präventionsarbeit sind die ehrenamtlichen Mitarbeitenden vor Ort, die Präventionsaktivitäten entwickeln und umsetzen“, sagt Werner.
Besonders eng arbeiten sie mit den ehrenamtlichen Landespräventionsbeauftragten des WEISSEN RINGS zusammen. Damit sie dafür gut gerüstet sind, entwickeln sie Seminare, Vorträge und Materialien. „Unser Ziel ist es, einen gut bestückten Werkzeugkoffer zur Verfügung zu stellen“, sagt Sturm. Dieser habe sich über die Jahrzehnte verändert: Früher standen Diebstahl und Einbruch im Fokus. Heute beschäftigen sie sich mit vielen weiteren Themen wie digitaler Gewalt, Hasskriminalität oder Phishing. „Kriminalität entwickelt sich ständig weiter. Prävention muss diesen Wandel mitgehen“, so Werner.
Werner und Sturm halten Vorträge, geben Medien Interviews, bringen die kriminalpräventive Perspektive in politische Stellungnahmen des Vereins ein und begleiten den Fachbeirat Kriminalprävention. Auch die Zusammenarbeit mit bundesweiten Kooperationspartnern wie dem Deutschen Präventionstag gehört zum Aufgabenbereich der Referentinnen. Dort gestalten sie im Programmbeirat die Inhalte mit und bringen die Opferperspektive in die Präventionsarbeit ein. Eines ist ihnen besonders wichtig: Prävention funktioniere nie allein. Sie lebe vom interdisziplinären Austausch, von starken Netzwerken und Menschen, die ihr Wissen weitergeben. „Prävention ist immer Teamarbeit. Nur gemeinsam können wir Menschen erreichen und nachhaltig stärken“, sagt Sturm.
Marketing
Auf den Schreibtischen des Marketing-Teams liegen Entwürfe für Kampagnenmotive. Und Riccarda Theis und Alice Scherer diskutieren über Formulierungen. „Wir müssen Aufmerksamkeit schaffen, die Wichtigkeit des Themas betonen, ohne unnötige Furcht zu schaffen. Die Opfer sollen gestärkt werden“, so Theis.
Theis startete vor fast zehn Jahren als Social-Media-Managerin beim Verein, heute ist sie die Fachleitung des Marketings. Scherer kam 2024 dazu. Ihre Aufgabe: den WEISSEN RING und seine Themen sichtbarer zu machen – und das in einem sich verändernden Umfeld: Denn genauso wie die Delikte ändern sich auch die Ansprüche an das Marketing stetig.
Das Marketing-Team: Riccarda Theis (links) und Alice Scherer (rechts)
Das gehe zum einen über große Kampagnen. Im Büro hängen Plakate früherer Projekte. „Digitale Gewalt hat viele Gesichter“, steht auf einem. Daneben Hinweise zu Cybermobbing oder Deepfakes. Oder die Kampagne „Schweigen macht schutzlos“: Sie rückt das Thema häusliche Gewalt in den Mittelpunkt.
Zum anderen müsse sich das Ehrenamt vor Ort präsentieren. „Dabei unterstützen wir die Ehrenamtlichen mit Material, Ideen und Beratung. Es ist wichtig, dass der Verein auch bei lokalen Aktionen bundesweit einheitlich auftritt“, erklärt Scherer. „Wir wollen dabei auch wirtschaftliche Synergien schaffen, das ist für einen spendenfinanzierten Verein essenziell.“ Bei der mehrstufigen Kampagne zum 50-jährigen Bestehen startet bald die erste Phase, die auf die Gründungsidee des Vereins zurückgeht. Auf Plakaten und im Netz wird sich ab August die Frage finden: „Wenn alle den Täter jagen – wer bleibt dann beim Opfer?“ Theis fügt hinzu: „Die Frage bleibt nicht unbeantwortet. Wir geben darauf selbstbewusst die Antwort: ‚Wir‘, also der WEISSE RING.“ Deshalb spielen in den darauffolgenden Kampagnenphasen die Ehrenamtlichen sowie prominente Unterstützende eine zentrale Rolle.
Stabsstelle der Geschäftsführung
Svenja Drews scheint sich nicht leicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Je länger sie über ihre Arbeit spricht, desto deutlicher wird, wie viel Bewegung hinter dieser Ruhe steckt. „Es ist immer spannend“, sagt sie. „Und langweilig wird es nie.“
Drews leitet die Stabsstelle der Geschäftsführung beim WEISSEN RING. Sie ist Psychologin, seit sieben Jahren im Verein und hat dort zunächst das Beschwerdemanagement aufgebaut. Dieses ist heute Teil der Stabsstelle und wird von Mitarbeiterin Ilka Kenn betreut.
In der Beschwerdestelle sehe man, wie anspruchsvoll Opferhilfe ist, sagt sie. „Betroffene von Straftaten befinden sich häufig in einer emotionalen Ausnahmesituation. Dabei entstehen leicht Missverständnisse oder Erwartungen, die nicht erfüllt werden können.“ Wenn eine Außenstelle telefonisch nicht sofort erreichbar sei oder es zwischenmenschlich mal nicht passe, seien Beschwerden keine Seltenheit. Jährlich erreichen den Verein circa 550 Beschwerden.
„Es ist immer spannend“, sagt Svenja Drews, Leiterin der Stabstelle der Geschäftsführung.
Ebenfalls Teil der Stabsstelle ist die interne Kommunikation. Drews’ Mitarbeiter Christian Ahlers hält Haupt- und Ehrenamt über alle wichtigen Themen im Verein informiert. „Hierfür ist Vernetzung besonders wichtig. Christian Ahlers hat seine Augen und Ohren praktisch überall“, so Drews. Jeden Monat geht der WRinside-Newsletter raus, auch der redaktionelle Teil des Jahresberichts des WEISSEN RINGS wird hier erstellt.
Neben der Leitung der beiden Bereiche ist Drews’ Kernaufgabe die inhaltliche Unterstützung der Geschäftsführung. Sie bereitet die Sitzungen des Vorstands vor, verantwortet die Konzeption und Umsetzung strategischer Projekte, wie zuletzt den Aufbau der Digitalen Außenstelle, und betreut die Kooperationen des Vereins auf Bundesebene, beispielsweise mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund. Auch wenn Landesverbände oder Außenstellen regionale Kooperationen eingehen möchten, ist sie deren Ansprechpartnerin.
Svenja Drews ist involviert in viele wichtige Prozesse. „Was auf meinem Schreibtisch liegt, liegt auch auf deinem“, so habe die frühere Geschäftsführerin Bianca Biwer Drews’ Job einmal zusammengefasst.
Engagieren, Organisieren, Gestalten
Der organisatorische Aufbau der Bundesgeschäftsstelle folgt dem Motto „Engagieren, Organisieren, Gestalten“. Jede Abteilung ist einem dieser Bereiche zugeordnet. Die sieben hier vorgestellten Bereiche sollen einen Einblick in die bundesweite Arbeit des Vereins geben. Es gibt darüber hinaus noch weitere Bereiche, wie beispielsweise die Teams Informationstechnik, Fundraising, Medien & Recherche, Buchhaltung oder Nachlassverwaltung, die für den Verein tätig sind.
Geschäftsleitung
An einem normalen Tag laufen bei Verena Richterich Dutzende Vorgänge parallel: Abstimmungen mit Fachstellen, Prozessoptimierungen, Härtefallentscheidungen und vollkommen Unvorhersehbares wie eine Großereigniskoordinierung. Richterich gehört gemeinsam mit Eike Eberle zur Geschäftsleitung des WEISSEN RINGS. Sie verantwortet die Bereiche Ehrenamt, worunter beispielsweise Opferhilfe und Digitales Ehrenamt fallen, Personal, IT und interne Dienste wie die Logistik.
Besonders schwierig werde es in der Opferhilfe dort, wo Satzung, Gemeinnützigkeitsrecht und konkrete menschliche Schicksale aufeinandertreffen. „Das gibt es Momente, bei denen man merkt, wie hart solche Regelungen sein können“, sagt Richterich. „Unsere Aufgabe ist es, in dem gesteckten Rahmen Lösungen zu finden, um die konkreten Tatfolgen von Kriminalitätsopfern zu lindern.“
Lösungen müssen auch gefunden werden, um die ehrenamtliche Opferhilfe auf die neuen Herausforderungen zukunftsfähig aufzustellen. Richterich beschäftigt sich dabei mit Fragen wie: Welche Hilfsmöglichkeiten benötigen Betroffene in der heutigen Zeit? Wie können digitale Lösungen helfen? Dahinter stecke viel Koordination: Arbeitsgruppen, Pilotprojekte, IT-Prozesse, digitale Fallakten, Qualitätssicherung. „Der konstruktive Austausch mit den ehrenamtlichen Mitarbeitenden – sei es im konkreten Einzelfall oder übergeordneten Strategie- und Optimierungsfragen – ist der tägliche Motivator für meine Arbeit“, sagt Richterich.
Eike Eberle (links) und Verena Richterich gehören zur Geschäftsleitung des WEISSEN RINGS.
Eike Eberle setzt sich in einem anderen Bereich ein: Der Jurist verantwortet die Bereiche Recht, Finanzen und Öffentliches Eintreten. Auch sein Alltag besteht aus permanenter Gleichzeitigkeit. „Man kommt morgens mit einem Plan“, sagt Eberle. „Und meistens macht man dann doch etwas völlig anderes.“ Gesetzentwürfe zum Beispiel. Sobald Ministerien Referentenentwürfe verschicken, bleiben Verbänden oft nur wenige Wochen Zeit für Stellungnahmen. Aktuell beschäftigt den WEISSEN RING das geplante digitale Gewaltschutzgesetz. Dabei geht es um sexualisierte Deepfakes, Hassrede, Auskunftsansprüche gegen Plattformen und besseren Schutz von Betroffenen digitaler Gewalt. „Das Besondere daran ist, dass es gleichzeitig Strafrecht, Zivilrecht, Prävention und Opferschutz berührt“, sagt Eberle.
Um darauf reagieren zu können, müsse Expertise aus unterschiedlichen Bereichen zusammengeführt werden. „Das muss am Ende alles in eine strukturierte, pointierte Position gebracht werden.“ Dass daraus manchmal reale politische Veränderungen entstehen, erlebt Eberle als Erfolg. Besonders deutlich beim Thema elektronische Fußfessel bei schwerer häuslicher Gewalt. „Wir haben diese seit Jahren gefordert.“ Heute ist daraus ein Gesetz geworden.
Eberle verantwortet auch das Fundraising, das eine wichtige Säule des Vereins ist. „Der Verein finanziert sich ausschließlich durch Spenden, Mitgliedsbeiträge, Nachlässe und Geldauflagen, er erhält keinerlei staatliche Mittel. Diese finanzielle Unabhängigkeit ist dem Verein enorm wichtig“, sagt er. Damit dies auch so bleibe, baue er auf ein starkes Fundraising. Die Geschäftsführung, die an der Spitze der Geschäftsleitung steht, ist im Moment vakant. Die Suche nach einer Nachfolge von Bianca Biwer sei aber bereits auf dem Weg.
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