Anschlag Magdeburg: Auf dem Bild sind Blumen, Kerzen und bemalte Steine für die Opfer des Anschlags von Magdeburg zu sehen. Im Vordergrund befindet sich ein rot-weißes Absperrband.

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“Ungebremst“

ARD Audiothek

Am 20. Dezember 2024, vier Tage vor Heiligabend, rast Taleb A. mit einem Auto über den Weihnachtsmarkt in Magdeburg. Er tötet sechs Menschen und verletzt fast 350. Ein Jahr danach haben die MDR-Investigativreporterin Jana Merkel und ihr Co-Host Daniel Salpius den Podcast „Ungebremst – Der Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt“ veröffentlicht.

Merkel und Salpius nehmen sich Zeit, führen ihre Protagonistinnen und Protagonisten behutsam ein und bleiben nah an ihnen. Nie voyeuristisch, sondern mit spürbarer Zurückhaltung. Gleichzeitig ordnen sie ihre Arbeit kritisch ein. Etwa die Problematik, wenn Journalistinnen und Journalisten mit traumatisierten Menschen sprechen und diese mit dem Erlebten erneut konfrontieren.

Zu Wort kommt ein Paar, das unter den Opfern war. Beide schildern, wie schwer es ist, „wieder zurück in das Leben zu kommen“. Eine Ärztin erzählt, wie sie entscheiden musste, wer von den hunderten Verletzten wann versorgt werden konnte. Ein Ersthelfer schildert, wie er Wochen nach der Tat zuerst Albträume hatte und dann gar nicht mehr schlafen konnte. Und erstmals kommt der Polizist zu Wort, der den Täter allein stoppte. Als Held sieht er sich nicht, sagt er. Er sei vielmehr jemand, „der pflichtbewusst seinen Job getan hat“. Eine weitere Gesprächspartnerin ist Cornelia Stietzel, die Außenstellenleiterin des WEISSEN RINGS in Magdeburg. Sie erzählt, wie der Verein Opferhilfe für mehr als 500 Menschen geleistet hat: mit Gesprächen, Hilfen bei Anträgen und finanzieller Unterstützung.

Um den Täter geht es nur am Rande. Stattdessen ordnet der Podcast die Gewalttat sachlich, hintergründig ein. Er stellt kritische Fragen nach Verantwortlichkeiten, Opfern und den Helfenden gemacht hat. Zudem thematisieren Merkel und Salpius, wie die Gewalttat politisch instrumentalisiert wurde und Menschen mit Einwanderungsgeschichte mit Vorverurteilungen und Angriffen konfrontiert waren.

„Ungebremst“ zeigt, dass verantwortungsvolle Berichterstattung über extreme Gewalt weder laut noch voyeuristisch ist, sondern sorgfältige Recherche, Empathie und Zurückhaltung braucht. Indem Merkel und ihr Team den Fokus konsequent auf die Betroffenen legen und Zusammenhänge erklären, zeigen sie, wie die journalistische Aufarbeitung gelingt.

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