Wir geben nicht auf
Sie haben schreckliche Gewalterfahrungen gemacht, deren Auswirkungen ihr Leben und das ihrer Familien prägten. Aber sie ließen die Täter und Taten nicht über ihr Leben bestimmen. Vier Betroffene erzählen davon, wie sie nach traumatischen Erlebnissen neue Kraft fanden und das Erlebte verarbeiten. Und wie sie heute anderen Menschen helfen.
Hüsnü Erkan wurde vor fast 40 Jahren Opfer eines versuchten Raubmordes. Gemeinsam mit seinem Sohn Robert spricht er erstmals darüber, wie die Gewalttat das Leben der Familie veränderte.
„Warum werden wir auf eine so harte Probe gestellt?“
Der versuchte Raubmord an Hüsnü Erkan veränderte das Leben seiner ganzen Familie. Vierzig Jahre später ist Erkan dankbar, gerettet worden zu sein. Und sein Sohn Robert konnte seinen Schmerz in Engagement verwandeln.
Es ist fast 40 Jahre her, dass Hüsnü Erkan überfallen wurde. Er war damals 51 Jahre alt und arbeitete als Geldbote für die Frankfurter Volksbank. Am 4. September 1987 lauerten ihm zwei Männer auf, stachen ihm mit einem Messer in Rücken und Bauch. Sie entrissen ihm die Geldtasche mit 6.000 D-Mark und zerrten ihn in einen Fluchtwagen, den sie später auf einem Feldweg zurückließen. Der Bote konnte sich aus dem Auto befreien und an eine Straße schleppen, wo ihm ein Autofahrer half. Erkan überlebte nur knapp.
Sohn Robert Erkan, der mit seinem Vater erstmals öffentlich über ihre Geschichte spricht, erinnert sich gut an diesen Tag. Er war 21 Jahre alt und Lehrling, ebenfalls bei der Volksbank. „Der Personalchef rief mich an und sagte, mein Vater sei entführt worden.“ Es folgten Wochen im Ausnahmezustand, die Familie bangte um das Leben des Vaters: „Ich war im Funktionsmodus“, erinnert sich Robert Erkan. In dieser Zeit habe der WEISSE RING geholfen: „Sie waren da, haben einen Anwalt für uns gesucht und die Reinigung des Fahrzeugs des Ersthelfers bezahlt, das voller Blut war.“
„Der Garten war seine Therapie“
Hüsnü Erkan erholte sich körperlich, doch seine Seele war tief verletzt. Er zog sich von der Familie zurück, konnte nicht mehr arbeiten, litt unter Angst und Schlaflosigkeit. Viel Zeit verbrachte er allein im Sommerhaus der Familie in der Türkei: „Der Garten dort war seine Therapie“, sagt Sohn Robert. Rund zwei Jahre nach der Tat kam es zum Prozess gegen einen mutmaßlichen Täter. Hüsnü Erkan konnte den Mann nicht zweifelsfrei identifizieren, der Angeklagte wurde freigesprochen.
Heute lebt der 90-Jährige nach wie vor in seiner Wohnung an der Berliner Straße in Frankfurt. Jeden Tag steigt er die Stufen aus dem dritten Stock herunter und geht zum Frühstück in den Franziskustreff an der Liebfrauenkirche. Dort und in der Kleinmarkthalle hat er viele Freunde. „Jammern hilft nicht. Das Gute, das Schöne sehen – das hilft“, sagt er. Sohn Robert betreut seinen Vater, doch der nimmt nicht gerne Hilfe an: „Ich muss es selbst schaffen und mich loben.“ Statt zu jammern gehe er lieber „auf einen Schoppen“, sagt er und lacht.
Das Leiden der Anderen
Es gibt Verbrechen, die ein ganzes Land bewegen, wochenlang. Andere hingegen finden kaum Aufmerksamkeit.
Über die Tat hat er seit Jahrzehnten nicht gesprochen. Als sich der 90-Jährige an diesem Nachmittag neben seinen Sohn auf das Sofa setzt, fragt Robert Erkan: „Gab es auch schwere Zeiten in deinem Leben, Vater?“ Hüsnü Erkans Blick verfinstert sich. „Ja, natürlich. Meine Ehe ist kaputt gegangen“, sagt er. Dann greift er nach dem Saum seines Hemdes und zieht es hoch. Eine Handbreit über dem Bauchnabel zeichnet er mit dem Finger die Narbe entlang, die sich waagerecht über seinen Bauch erstreckt. „Ich wurde überfallen. Hier haben sie mich geschnitten“, sagt er. Dann lässt er sein Hemd wieder sinken: „So viele Menschen sterben jung. Und ich wurde gerettet.“
Sein Sohn sagt: „Mein Vater war nie wütend. Er versuchte stattdessen, selbstwirksam zu sein. Das hat mich beeindruckt.“ Als Sohn quälte ihn seit dem Überfall eine Frage: „Warum nur wurden wir als Familie auf so eine harte Probe gestellt?“
Viele Jahre später, in der Nacht des Terroranschlags von Hanau am 19. Februar 2020, bekam Robert Erkan einen Anruf. Es war Zufall, dass er als Mitglied des Ausländerbeirats der Stadt Hanau erreichbar war. Bald wurde er zum städtischen Opferbeauftragten ernannt. Nicht nur sein Beruf als Mediator und seine multikulturelle Erfahrung durch seinen türkischen Vater und seine jugoslawische Mutter halfen ihm bei dieser herausfordernden Aufgabe, sondern auch seine Erfahrungen als Angehöriger eines Opfers: „Ich war wieder im Modus von damals.“
Rückblickend habe sich in dieser Zeit etwas aufgelöst: „Ich konnte Frieden finden, indem ich meine Erfahrungen für etwas Gutes einsetzte.“ Für sein Engagement wurde Robert Erkan mit dem Walter-Lübcke-Demokratie-Preis des Landes Hessen ausgezeichnet.
Mareike Luisa Groß hat sich aus einer gewalttätigen Beziehung befreit. Heute unterstützt sie Betroffene als ehrenamtliche Helferin des WEISSEN RINGS.
„Heute bin ich die Mareike, die hilft“
Mareike Luisa Groß wurde Opfer Häuslicher Gewalt. Heute begleitet die 27-Jährige beim WEISSEN RING unter anderem Menschen, die Ähnliches erlebt haben. Über Flucht, Neuanfänge – und den Wunsch, anderen Halt zu geben.
Es hat etwas vom Auenland aus Tolkiens „Herr der Ringe“, wenn man durch diesen Teil der Pfalz fährt: Sanft erheben sich grüne Hügel in der Landschaft, die Sicht reicht weit über Felder und Weinberge. Die Sonne scheint, während Weinbauern zwischen den Rebstöcken stehen und überflüssige Triebe abbrechen. Eine Idylle wie aus dem Bilderbuch. Doch in Tolkiens Welt liegt hinter der Ruhe eine Düsternis. Aber auch Hoffnung. So wie im Fall von Mareike Luisa Groß.
Groß öffnet die Tür ihrer Wohnung. Sie ist 27 Jahre alt, trägt lange schwarze Haare, ein Nasenpiercing und lächelt zurückhaltend. Im Flur hängen gerahmte Motivationssprüche. „Health begins with selfcare“ (Gesundheit beginnt mit Selbstfürsorge) oder „Remember why you started“ (Erinnere dich, warum du begonnen hast). Am Schuhschrank baumelt eine Stofftüte mit der Aufschrift „116 016 – Stopp Gewalt gegen Frauen“.
Erst bei der Vernehmung wird ihr klar, woraus sie geflohen ist
Für Groß sind die Bilder und die Tasche keine Accessoires. Sie erzählen von ihrem Leben. Sie war Opfer Häuslicher Gewalt. Heute arbeitet sie ehrenamtlich beim WEISSEN RING, begleitet Menschen, die Opfer von Straftaten geworden sind. „Damals war ich die Mareike, der geholfen wurde“, sagt sie. „Heute bin ich die Mareike, die hilft.“
Im Januar 2023 kommt Groß mit ihrem damaligen Partner zusammen. „Am Anfang war alles zu schön, um wahr zu sein“, sagt sie. Doch die Beziehung verändert sich bald, so schildert es Groß: Erst beleidigt er sie, später isoliert er sie und dann wird er auch körperlich gewalttätig. Im Juni 2024 verletzt der Mann sie schwer. Wenig später flieht sie. Unter dem Vorwand, einkaufen zu gehen, verlässt sie mit ihren Katzen die Wohnung. „Erst bei der Vernehmung bei der Polizei ist mir klar geworden, woraus ich da eigentlich geflohen bin“, sagt sie.
Die Katzen seien in dieser Zeit ihr Anker gewesen, erzählt Groß. Aber auch die Menschen des WEISSEN RINGS. Auf die Opferhilfeorganisation wird sie über die Interventionsstelle für Häusliche Gewalt aufmerksam. Schnell kommt es zu einem ersten persönlichen Treffen. „Es war ein schönes Gefühl, dass mir geglaubt wurde“, sagt sie. Der WEISSE RING begleitet sie später auch zur Gerichtsverhandlung; der Mann wird zu einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt. Die finanzielle Soforthilfe sei wichtig gewesen, sagt Groß. Aber noch wichtiger: Das Gefühl, nicht allein zu sein.
Als helfende Hand schlägt ihr Herz vor allem für die Prävention
Heute ist Groß selbst für den WEISSEN RING tätig. Sie ist eine von sieben ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Außenstelle in ihrer Heimat. „Mich erfüllt es, die helfende Hand zu sein, die Betroffene so unheimlich dringend brauchen“, sagt sie. Dabei stehe bei ihr nie die Tatsache im Mittelpunkt, dass sie selbst Opfer war, wenn sie einen Opferfall annehme. „Es sei denn, es ergibt Sinn, weil die Geschichte einer Betroffenen auf den ersten Blick zu bizarr und unglaublich wirkt.“ Es sei schön, „dass ich nach dem Schlechten, das ich erlebt habe, etwas Gutes geben kann“.
Ihr Herz schlägt dabei vor allem für die Prävention. Zusammen mit einem ehrenamtlichen Kollegen vom WEISSEN RING geht sie zum Beispiel an Schulen, um aufzuklären. „Mich freut es, wenn männliche Jugendliche fragen, was sie machen können, damit sich Frauen in ihrer Gegenwart sicher fühlen.“
Früher arbeitete Mareike Luisa Groß in der Altenpflege. Heute hat ihr Leben eine andere Richtung eingeschlagen. Sie hat ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben und spricht öffentlich über häusliche Gewalt. Und sie hat einen Traum: einen Hof zu eröffnen, der Frauen mit ihren Haustieren Schutz bietet – bevor ihnen Gewalt angetan wird.
Franziska Peters wurde mit dem Tode bedroht. Von dem Mann, der sie zur Prostitution zwang. Für die Zukunft hat sie sich vorgenommen, gesund zu werden und einfach frei zu sein.
„Ich lebe jetzt mein Leben“
Nachdem Franziska Peters als Prostituierte ausgebeutet und misshandelt wurde, hat sie sich befreit und ein neues Leben aufgebaut.
„Freiheit.“ Franziska Peters (Name geändert) sagt das Wort mehrfach. „Die Freiheit hat mir den Mut und die Kraft gegeben.“ Das antwortet sie mit ruhiger Stimme auf die Frage, wie sie es geschafft habe zu flüchten, obwohl der Mann, der sie zur Prostitution zwang, ihr mit dem Tod drohte. Dass sie heute eine eigene Wohnung hat, „in der ich jetzt mein Leben leben kann, wie ich es möchte“, beschreibt sie als „ein Stück Freiheit“.
Die Mittvierzigerin hat dafür gekämpft und viel riskiert; nach Jahren der Ausbeutung, Gewalt und Isolation. Nachdem der Mann sie geschlagen und das Unterteil eines Bürostuhls nach ihr geworfen habe, „dachte ich: Jetzt reicht es, das ist das letzte Mal. Ich muss hier weg“. Im Verborgenen habe sie ihre Flucht geplant und schließlich vorgegeben, monatelang „auf Tour zu gehen“. Dabei werden für Prostituierte in verschiedenen Städten nacheinander Zimmer angemietet. Sie nahm das Allernötigste und ging ins Frauenhaus. Außerdem unterstützten sie die auf Opfer von Menschenhandel spezialisierte Fachberatungsstelle KOBI und der WEISSE RING etwa dabei, Termine beim Anwalt, bei der Polizei oder anderen Behörden zu bekommen. Zehn Monate blieb Peters im Frauenhaus, aufgrund der schwierigen Wohnungssuche.
Mittlerweile ist der Täter zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Peters ist froh, dass er bestraft wurde, betont aber auch: „Für das, was er mir und den anderen Frauen angetan hat, ist es zu wenig“. Vor allem während der Corona-Pandemie, als die Einnahmen zurückgingen, sei er oft explodiert. Die Aussage vor Gericht war belastend, „weil ich ihm noch einmal begegnen musste. Aber ich habe mich auf die Richterin konzentriert und versucht, alles andere auszublenden.“
Wie viel ist ein Mensch wert?
Menschenhandel geschieht mitten unter uns: Zwangsprostitution, Zwangsverheiratung und Arbeitsausbeutung.
Am Anfang, als sie ihn kennenlernte, sei sein wahres Gesicht nicht zu erkennen gewesen. Sie hätten einen guten Draht zueinander gehabt, was er ausgenutzt habe, dann sei es von Jahr zu Jahr schlimmer geworden. „Ich musste den Kontakt zu Freunden und Familie abbrechen.“
Menschenhandel bleibe oft unentdeckt, auch weil kaum jemand genau hinschaue. „Wir waren regulär angemeldet, durften nichts Verdächtiges sagen, wenn wir in Kontakt mit Behörden kamen, sondern mussten angeben, alles freiwillig zu machen. Frauen aus dem Ausland wurden die Pässe abgenommen.“ Sie appelliert an Betroffene, „sich Menschen anzuvertrauen, die helfen können“.
Franziska Peters wird nach wie vor von einer Sozialarbeiterin betreut, die mit zum Gespräch in einem Landesbüro des WEISSEN RINGS gekommen ist. Sie lobt: „Frau Peters weiß, was sie will. Sie hat sich trotz eines steinigen Weges viel aufgebaut.“
Peters wirkt entspannt. Sie trägt einen Kapuzenpulli, antwortet überlegt, lächelt immer wieder, aber „was passiert ist, werde ich nicht vergessen. Ich kämpfe mich manchmal durch, auch durch meine Gefühle“, erzählt Peters. Sie geht regelmäßig zur Therapie, kocht gerne und ist mit ihrem neuen Partner unterwegs. „Ich bin ihm in der schweren Zeit begegnet. Er hat mich unterstützt. Es war nicht einfach, wieder so ein Vertrauen zu einem Menschen aufzubauen.“ Doch es sei gelungen. Für die Zukunft habe sie sich vorgenommen, „gesund zu werden und einfach frei zu sein“.
Timo Ranzenberger spürt noch heute die Folgen des sexuellen Missbrauchs durch einen Pfarrer. Doch er wehrte sich gegen die Ohnmacht und zeigte den Täter an.
„Beim Gleitschirmfliegen ist die Angst weg“
Timo Ranzenberger wurde als Jugendlicher von einem Pfarrer sexuell missbraucht. Die Folgen spürt er noch heute, aber er wehrt sich. Viele Jahre nach der Tat erstattet er Anzeige und erhebt in der Öffentlichkeit seine Stimme.
Hunderte Meter über dem Erdboden ist Timo Ranzenberger ganz bei sich. Wenn er Zeit hat, schnappt er sich den Rucksack mit seinem Gleitschirm und fährt mit dem Zug von Siegsdorf im oberbayerischen Landkreis Traunstein Richtung Berge. „In der Luft kann ich abschalten“, sagt er.
In einem Wirtshaus in Siegsdorf erzählt Ranzenberger seine Geschichte: Im Alter von 15 Jahren wurde er von einem Pfarrer in Freisen im Saarland mehrfach sexuell missbraucht. „Ich konnte damals mit niemandem darüber reden, hatte Angst, dass mir niemand glaubt“, berichtet Ranzenberger gefasst. In der katholischen Gegend und bei seiner strenggläubigen Pflegefamilie sei der Pfarrer eine Respektsperson gewesen. Irgendwann wandte sich Ranzenberger von der Kirche ab und zog weg.
Quälende Frage: Macht er das jetzt mit anderen Jugendlichen?
Als er 2005 im Fernsehen zufällig auf einen Gottesdienst stieß, kamen die Erinnerungen hoch. „Warum hat er das gemacht? Und: Macht er das jetzt mit anderen Jugendlichen?“, fragte sich Timo Ranzenberger. Über einen Verein lernte er andere Betroffene kennen, die ihn ermutigten, zur Polizei zu gehen. Er erstattete Anzeige. „Der Pfarrer legte sogar ein Teilgeständnis ab, doch nach damaligem Recht war die Tat verjährt“, erzählt Ranzenberger. Elf Jahre später waren weitere Anzeigen gegen den Pfarrer eingegangen, die Polizei ermittelte, und die Vorwürfe, die der Geistliche bis zuletzt zurückwies, wurden öffentlich. Für Gespräche mit Vertretern des zuständigen Bistums Trier und für Ranzenbergers Aussage vor Gericht kümmerte sich der WEISSE RING um eine Anwältin. Die Tat war verjährt, wurde im Urteil aber berücksichtigt. Vor drei Jahren verurteilte das Landgericht Saarbrücken den Pfarrer wegen sexueller Nötigung eines 14-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe, seit 2024 ist das Urteil rechtskräftig. Das Kölner Kirchengericht entließ ihn wegen Missbrauchs von fünf Minderjährigen aus dem Klerikerstand.
Hilf(e)los und gottverlassen
Hedwig T. berichtet von sexuellem Missbrauch durch einen Pfarrer in ihrer Kindheit. Die Taten sind verjährt.
Ranzenberger informierte sich täglich online über Nachrichten zu dem Fall, etwa ob weitere Anzeigen erschienen sind. Noch im vergangenen Jahr reichte er eine kirchenrechtliche Meldung gegen einen Bischof ein, weil er in einem Medienbericht mitbekommen hatte, dass Vorwürfe gegen den Pfarrer vertuscht worden sein könnten. Die Kirche sah kein Fehlverhalten. „Ich versuche, Abstand zu bekommen, aber ganz gelingt mir das noch nicht“, sagt er. Ranzenberger ist heute 42 Jahre alt und abstinenter Alkoholiker. Als Jugendlicher machte Ranzenberger zum ersten Mal einen Entzug, immer wieder hatte er Rückfälle. „Ich wollte die Sorge, dass mir keiner glaubt, mit Alkohol betäuben“, sagt er. Seit zwölf Jahren ist er trocken und abstinent. In Siegsdorf lebt er in einer therapeutischen Wohngemeinschaft, irgendwann will er allein leben.
Immer wieder erwähnt Timo Ranzenberger, wie viel ihm das Gleitschirmfliegen bedeutet. Als Kind faszinierte ihn Fallschirmspringen. Über einen Gleitschirm und wie lange sich dieser in der Luft hielt, staunte er. Nach einem Tandemflug machte Ranzenberger 2023 eine Ausbildung. Abends schneidet er Videos von seinen Flügen und stellt sie auf seine Webseite. Gerade muss der 42-Jährige ein paar Wochen pausieren, weil er sich vor Kurzem bei einem Unfall zwei Wirbel gebrochen hat. „Dann geht’s aber wieder los“, sagt er. „Beim Gleitschirmfliegen ist die Angst weg.“