Archiv für April, 2026

Weniger Straftaten – aber mehr Sexualdelikte

Erstellt am: Dienstag, 21. April 2026 von Al-Khanak
Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Andy Grote (SPD), Vorsitzender der Innenministerkonferenz (IMK) und Senator für Inneres und Sport der Stadt Hamburg, und Bundesminister des Innern Alexander Dobrindt (CSU) stellen die Polizeiliche Kriminalstatistik vor.

Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Andy Grote (SPD), Vorsitzender der Innenministerkonferenz (IMK) und Senator für Inneres und Sport der Stadt Hamburg, und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) stellen die Polizeiliche Kriminalstatistik vor. Foto: picture alliance/dts-Agentur

Datum: 21.04.2026

Weniger Straftaten – aber mehr Sexualdelikte

Die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt für 2025 einen Rückgang bei der Zahl der erfassten Straftaten. Doch bei Sexualdelikten geht der Trend klar nach oben. Besonders betroffen sind junge Frauen; die Dunkelziffer bleibt weiterhin hoch.

Die Polizei hat im vergangenen Jahr bundesweit weniger Fälle von schwerer Körperverletzung und weniger Raubdelikte registriert; auch insgesamt sind die Zahlen der erfassten Straftaten im Vergleich zum Vorjahr rückläufig. Gleichzeitig fällt auf: Die Zahl der für 2025 erfassten Sexualdelikte ist deutlich gestiegen. Der Hamburger Innensenator und Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Andy Grote (SPD), sagte am Montag bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik, die Daten zeigten, „dass unsere Gesellschaft gerade für Frauen nicht so sicher ist, wie sie es sein sollte“. Die steigenden Zahlen in dem Bereich „und das erschreckende Ausmaß sexualisierter digitaler Gewalt machen deutlich, dass wir Betroffene noch besser schützen müssen“.

Fallzahlen seit 2018 um 72 Prozent gestiegen

Bei Vergewaltigungen, sexueller Nötigung und sexuellen Übergriffe registrierte die Polizei im Vergleich zum Vorjahr 9 Prozent mehr Fälle in Deutschland. In absoluten Zahlen heißt das: Waren es 2024 noch 13.320 Fälle, belief sich die Zahl im Jahr 2025 auf insgesamt 14.454. Das Bundeskriminalamt verweist darauf, dass die Fallzahlen in dem Deliktfeld seit 2018 um 72 Prozent gestiegen sind. Tatverdächtige sind überwiegend Freunde oder Bekannte sowie Partner und Ex-Partner. Das Gros der Verdächtigen (98,6 Prozent) ist männlich. Die Aufklärungsquote lag im vergangenen Jahr bei 85,5 Prozent, 2024 waren es 84,4 Prozent.

Die begleitend zur PKS vorgestellten Ergebnisse der Studie „Sicherheit und Kriminalität in Deutschland“ zur Erforschung des Dunkelfelds zeigt, dass Frauen insgesamt deutlich häufiger von Sexualdelikten betroffen sind als Männer – vor allem junge Frauen zwischen 18 und 24 Jahren. Nach wie vor ist laut der Studie die Anzeigequote bei Sexualdelikten besonders gering. Bei sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung lag sie 2023 bei 6,2 Prozent, bei körperlicher sexueller Belästigung bei 2,6 Prozent.

Innenministerkonferenz plant „spürbare Verbesserungen“

Für Hamburgs Innensenator Grote zeigt der hohe Anteil der Beziehungsgewalt, „dass es weiterhin den Mut der Frauen zur Anzeige braucht, aber auch die Entschlossenheit des Rechtsstaats“. Die Innenministerkonferenz will laut Grote „spürbare Verbesserungen erreichen, damit Frauen ihr Recht und Täter ihre Strafe bekommen“.

Grote hatte die PKS am Montag gemeinsam mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und BKA-Chef Holger Münch in Berlin vorgestellt. Sie verwiesen darauf, dass im vergangenen Jahr rund 5,5 Millionen Straftaten erfasst wurden – ein Rückgang von 5,6 Prozent.

Großes Dunkelfeld im Bereich sexualisierter Gewalt

Die Aussagekraft der PKS ist umstritten. Die Polizei hat die dort registrierten Fälle ausermittelt und an die Staatsanwaltschaft übergeben, aber ein Urteil steht noch aus. Außerdem führt die Statistik nur Fälle auf, die die Polizei selbst ermittelt hat – oder die bei ihr angezeigt wurden. Das Dunkelfeld – vor allem im Bereich häuslicher und sexualisierter Gewalt – ist groß. Deshalb betonte BKA-Chef Münch, dass der Anstieg der erfassten Vergewaltigungen auch bedeuten könnte, dass sich sich mehr Betroffene an die Behörden gewandt haben. Es handelt sich also möglicherweise um eine Aufhellung des Dunkelfelds.

WEISSER RING registriert mehr Opferzahlen bei Internetkriminalität

Erstellt am: Mittwoch, 1. April 2026 von Al-Khanak

Cyberkriminalität hat viele Facetten. Illustration: Ari Liloan

Datum: 01.04.2026

WEISSER RING registriert mehr Opferzahlen bei Internetkriminalität

Digitale Gewalt und Internetkriminalität nehmen weiter zu: Der WEISSE RING registrierte 2025 deutlich mehr Fälle als in den Vorjahren. Besonders stark steigt die Zahl der Fälle von Onlinebetrug, während Cybermobbing, Stalking und Bedrohungen weiterhin viele Menschen belasten.

Die Zahl der Menschen, die in den vergangenen Jahren Opfer von Internetkriminalität wurden und sich an den WEISSEN RING gewendet haben, nimmt zu. Waren es im Jahr 2023 noch 820 registrierte Fälle mit dem Tatmerkmal „Internet“, stieg die Zahl in 2024 auf 932 und im vergangenen Jahr auf 943. „Die Zahlen zeigen, dass digitale Gewalt und Kriminalität immer mehr Menschen betreffen“, sagt Verena Richterich, Geschäftsleiterin der Opferschutzorganisation. „Für die Betroffenen bedeutet das oft massive Einschnitte in ihr Leben. Umso wichtiger sind klare gesetzliche Regelungen, mehr Prävention und ein starker Opferschutz“, betont Richterich.

Auf das Tatmerkmal „Internet“ entfallen beispielsweise Cybermobbing, Beleidigungen, Bedrohungen, Stalking und Betrug. Generell nahm die Gesamtzahl der registrierten Opferfälle beim WEISSEN RING in dem Zeitraum zu: 20.317 waren es im Jahr 2023, 22.044 im Jahr 2024 und 25.209 im vergangenen Jahr.

Auffälligkeiten beim Internetbetrug

Beim Blick auf die Zahlen des WEISSEN RINGS zeigt sich ein differenzierteres Bild beim Thema Stalking mit Internetbezug: Hier wurden 2023 insgesamt 188 Fälle registriert, 2024 stieg die Zahl leicht auf 197 an. Im Jahr 2025 sank sie jedoch auf 154 Fälle. „Trotz dieses Rückgangs bleibt Stalking ein großes Problem auch im digitalen Raum“ sagt Richterich.

Besonders auffällig ist die Entwicklung im Bereich Internetbetrug. Die Statistik des WEISSEN RINGS zeigt einen deutlichen Anstieg: Wurden 2023 noch 271 Menschen als Opfer von Internet-Betrügern registriert, waren es 2025 bereits 357. Damit bestätigt sich der Trend, dass Betrugsdelikte im Netz weiterhin stark zunehmen.

Zunehmende Professionalisierung der Cyberkriminalität

Expertinnen und Experten wie Christian Rossow, Professor für IT-Sicherheit am CISPA Helmholtz Center for Information Security, beobachten eine zunehmende Professionalisierung der Cyberkriminalität. Täter agieren international, arbeitsteilig und hoch spezialisiert, betont Jana Ringwald bei der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Neue Technologien wie Künstliche Intelligenz erleichtern es den Tätern zusätzlich, glaubwürdige Kommunikation zu führen oder Angriffe gezielt vorzubereiten. Gleichzeitig warnen Behörden wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik davor, dass viele Menschen die Risiken im digitalen Raum unterschätzen und dadurch leichter zur Zielscheibe werden.

Neben Betrugsmaschen wie Love-Scam gewinnen auch andere Formen des Onlinebetrugs an Bedeutung – etwa Anlagebetrug über Messenger-Dienste oder Fake-Shops mit scheinbar günstigen Angeboten. Verbraucherzentralen verzeichnen in diesen Bereichen stark steigende Beschwerdezahlen.