„F*ck Deepfakes!“

Erstellt am: Montag, 20. Juli 2026 von Sabine

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„F*ck Deepfakes!“

ARD Mediathek

Ende März machte der „Spiegel“ Vorwürfe der Moderatorin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen öffentlich: Er habe in sozialen Netzwerken Fakeprofile von ihr erstellt, Männer kontaktiert und sexualisierte Darstellungen verschickt, die den Eindruck erweckten, es handele sich um Fernandes. Vor allem Frauen sind von digitaler Gewalt betroffen. Fernandes ist zur Anführerin einer wichtigen Bewegung geworden: Sie tritt für einen besseren gesetzlichen Schutz ein, unter anderem für ein Verbot von gefälschten Bildern und Videos, die es massenweise im Netz gibt.

Die Dokumentation entstand vor dem „Spiegel“-Bericht. Schon damals war klar, dass Fernandes Opfer digitaler sexualisierter Gewalt ist. Aber nicht, dass Ulmen ein Täter sein könnte. Seine Anwälte teilten mit, er habe weder Deepfake-Videos hergestellt noch verbreitet. Ansonsten sprachen sie von „unwahren Tatsachen“, bestritten die oben genannten Vorwürfe aber nicht.

Die deutsche Journalistin Marie Bröckling und die bekannte Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes stehen nebeneinander. Gemeinsam sprechen sie über Deepfake-Pornos.

Wenn dein Gesicht in einem Porno zu sehen ist

Schauspielerin und Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes setzt sich gegen digitale Gewalt durch sogenannte Deepfakes zur Wehr.

Im gut 40 Minuten langen Film erklärt Fernandes mit Expertinnen und Experten, wie leicht man gefälschte Clips produzieren kann und wie Plattformen finanziell von diesen profitieren. Sie zeigt, was Aufklärung an Schulen bewirkt. Diskutiert, was eine Klarnamenpflicht im Internet und weitere Maßnahmen bringen könnten. In der emotionalsten Passage schildert Fernandes, wie schlecht es ihr ging angesichts gefälschter Pornos. Die Aufnahmen gäben vor, zu zeigen, „wie ich auf dem Boden liege und weine und immer wieder sage ‚Ich will das nicht!‘“. Fernandes hat die stärkste Geschichte zu erzählen. Doch als die Person, die durch den Film führt, kann sie das kaum. Dennoch ist der Film sehr sehenswert: Er beleuchtet das Phänomen Deepfakes aus vielen Perspektiven, blickt sachlich darauf – und stellt Möglichkeiten vor, sich zu schützen.

https://www.ardmediathek.de/film/collien-fernandes-f-ck-deepfakes

Das fortgesetzte Grauen

Erstellt am: Freitag, 17. Juli 2026 von Sabine

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Das fortgesetzte Grauen

Adrian H. Koerfer
“Das glaubt mir doch kein Mensch. Erinnerungen an eine andere Welt.“
Edition W, 139 Seiten, 20 Euro

Für das, was Adrian H. Koerfer erlebt hat, reichen 139 Buchseiten eigentlich nicht. Koerfer, 1955 geboren und heute als Künstler und Kunstsammler im Rhein-Main-Gebiet zu Hause, hat in dem Band „Das glaubt mir doch kein Mensch“ seine Erinnerungen an eine erschütternde Kindheit aufgeschrieben. Eine Kindheit, die zunächst geprägt war von abweisenden Eltern. Dann, in der Odenwaldschule, von Missbrauch und einem System des Wegsehens und Vertuschens, das sexualisierte Gewalt möglich machte.

Der erste Teil seines Berichts aus der Ich-Perspektive befasst sich mit seinen Eltern und den (Halb-)Geschwistern, einer Familie mit vielen Kindern aus unterschiedlichen Beziehungen. Sein Vater? „Emotional lebte allein Kälte in ihm, keinerlei Gefühl“, erinnert sich Koerfer. Auch zu seiner Mutter, die der Ehemann oft schlug, gab es keine echte Verbindung. Die Erziehung überließen die Eltern weitgehend anderen, die den Kindern viele Schmerzen zufügten.

Exakt in der Mitte des Buches beginnt der zweite Teil. Im Jahr 1968 kam Koerfer mit seinen beiden Drillingsbrüdern auf die Odenwaldschule. „Alles Furchtbare fängt sehr banal an“, schreibt Koerfer dazu, und tatsächlich wirkt die Aufteilung der Kinder auf sogenannte Familien innerhalb des Hauses zu Beginn ebenso unverdächtig wie etwa der Musikunterricht. Doch bald begannen die sexualisierten Übergriffe und der emotionale Missbrauch. Und damit das pure, fortgesetzte und ungehemmte Grauen. „Der Abgrund hatte mich bereits fürsorglich verschlungen“, sagt Koerfer einmal rückblickend.

Er spricht seine Peiniger im Buch direkt an und schont auch die Leserschaft nicht, sondern liefert ein erschütterndes, detailliertes Protokoll. Adrian H. Koerfer hat die Aufarbeitung intensiv mit vorangetrieben. Er hat großen Anteil daran, dass die Missstände an dieser Schule öffentlich wurden. Sein Buch, bei dem man aufgrund der unfassbaren Grausamkeiten zuweilen eine Lesepause machen muss, ist ein wichtiger Baustein im Kampf gegen das Vergessen.

https://westendverlag.de/Das-glaubt-mir-doch-kein-Mensch/2386

„Tatort Geschichte – True Crime meets History“

Erstellt am: Mittwoch, 15. Juli 2026 von Sabine

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„Tatort Geschichte – True Crime meets History“

Bayerischer Rundfunk 2

Keine zwei Jahre nach ihrer Hochzeit ordnet Ludwig II., Beiname „der Strenge“, an, seine Ehefrau Maria von Brabant in Donauwörth zu töten. Wegen eines angeblichen Ehebruchs. Eine Verwechslung soll ihr zum Verhängnis geworden sein: Als Ludwig in der Rheinpfalz Krieg führt, schickt seine Frau ihm einen Brief, um ihn zur Heimkehr zu bewegen. Einem befreundeten Ritter schreibt sie ebenfalls. Ein Bote verwechselt die Briefe, und aufgrund einer falsch gedeuteten Formulierung wittert Ludwig Untreue. Quellen deuten jedoch darauf hin, dass der Vorwurf nicht berechtigt war. Ein Prozess findet nicht statt.

Im Bayern-2-Podcast „Tatort Geschichte“ widmen sich Niklas Fischer und Hannes Liebrandt, Historiker an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, diesem Fall. „Der tödliche Verdacht: Maria von Brabant – Opfer eines Femizids?“ lautet der Titel.

Es ist bezeichnend, dass die um 1226 geborene Maria von Brabant erst durch ihren Tod in Quellen Erwähnung findet, obwohl sie als Tochter von Herzog Heinrich II. und Urenkelin von Kaiser Friedrich Barbarossa zu einer der bedeutendsten Dynastien gehört, den Staufern.

Bereits als Kind, 1236, wird sie laut Fischer und Liebrandt „Teil einer politischen Abmachung“ und mit Ludwig II., Herzog von Bayern, zwangsverheiratet. Ehen sollten damals dazu beitragen, Bündnisse zu schließen und Konflikte zu lösen. Möglicherweise hatte auch Maria von Brabandts Tod machtpolitische Gründe. Fischer und Liebrandt ordnen den Fall historisch wie gesellschaftlich ein, sichten Chroniken und Urkunden und interpretieren diese mit Gesprächspartnerinnen wie Prof. Julia Burkhardt, die an der LMU mit einem interdisziplinären Team Femizide im Mittelalter und der Frühen Neuzeit untersucht.

In der vorangegangenen Folge, „Godeleva: In die Nacht gelockt, im Dunkeln getötet“, ist der Tatort, Flandern, ein anderer. Doch auch in dieser von Hierarchien geprägten Gesellschaft ist die Ehe „politisch aufgeladen“, so der Podcast. Leidtragende sind meist Frauen wie Godeleva. Die 1052 geborene und 1070 getötete Tochter eines Ritters will wohl Nonne werden, aber die Grafen von Flandern und Boulogne arrangieren eine Ehe mit Bertolf von Ghistelles.

Eines Nachts lockt ihr Mann sie in eine Falle. Er erzählt, seine beiden Diener würden sie zu einer Frau bringen, die ihre Ehe retten könne. Doch die Männer erwürgen die junge Frau. Ihr Tod wird als Höhepunkt eines Martyriums beschrieben: Bald nach der Hochzeit hat Bertolf begonnen, sie zu hassen, vermutlich angestachelt von seiner Mutter. Ungefähr 14 Jahre später schreibt ein Mönch Godelevas „Heiligengeschichte“ auf. Dadurch wird sie sichtbar gemacht – aber auch von der Kirche, die sie heiligspricht, instrumentalisiert.

Der Podcast hält zum einen die Erinnerung an die vor langer Zeit getöteten Frauen wach. Zum anderen spannen Fischer und Liebrandt den Bogen in die Gegenwart und verdeutlichen auch mit Statistiken, wie viele Frauen Opfer werden. Vor allem aber machen sie auf die seit vielen Jahrhunderten bestehende „anthropologische Konstante“ der Gewalt gegen Frauen und die Folgen aufmerksam – sowie auf die Machtstrukturen und Rollenbilder dahinter.

Morde an Frauen waren schon früher bei Weitem keine Einzelfälle. Und vermeintliche Ehebrüche wurden häufig als Argument verwendet, um Femizide zu rechtfertigen. Diese „Erklärung“ schien plausibel: Frauen hatten Erwartungen zu erfüllen, ihrem Mann und Adelsinteressen zu dienen. Wer das nicht tat, wurde bestraft, wobei Gewalt als „interne Angelegenheit“ der Familie galt. Die Taten der Männer wurden derweil relativiert oder entschuldigt, Täter kamen glimpflich davon. Ludwig II. zum Beispiel gründete ein „Sühnekloster“.

https://www.ardsounds.de/sendung/tatort-geschichte-true-crime-meets-history

“Der Anschlag“

Erstellt am: Freitag, 13. Februar 2026 von Sabine

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“Der Anschlag“

3sat Mediathek

Menschen, die Anschläge überlebt oder dabei Angehörige verloren haben, haben vor allem drei Anliegen: Gedenken, Aufarbeitung, Konsequenzen. Das wird auch in der Dokumentation „Der Anschlag“ deutlich, die sich mit der Terrorfahrt am Berliner Breitscheidplatz auseinandersetzt – und einen Beitrag leistet, diese Forderungen von Hinterbliebenen zu erfüllen.

Am 19. Dezember 2016 raste ein Anhänger des „Islamischen Staates“ mit einem Lkw in den Weihnachtsmarkt. Er ermordete 13 Menschen und verletzte viele weitere schwer. Die Serie von Astrid Schult umfasst fünf Teile, die sich „Vorzeichen“, „Tat“, „Trauma“, „Staat“ und  Konsequenzen“ widmen. Das Filmteam zeigt Fotos der Opfer, lässt Überlebende und Hinterbliebene oft zu Wort kommen, erzählt in erster Linie ihre Geschichten. So wie jene von Astrid Passin, deren Vater ins Theater wollte, aber keine Karten bekam. Seine Lebensgefährtin rief Passin schließlich an und sagte, dass „Papa tot ist“. „Warum?“, fragt Passin und fühlt sich fortan „komplett hilflos“. Etwa, nachdem seine Wohnung bei Ermittlungen „auf den Kopf gestellt“ worden sei.

Die Serie zeichnet einfühlsame Porträts. Und zeigt, dass tatsächlich jeder Opfer werden kann, vieles von Kleinigkeiten, Zufällen abhängt. Wie bei Shufan Huo, die neu in der Stadt war und die „Freiheiten“ während ihrer Doktorarbeit genoss. „Warum bin ich ,ungeschoren‘  davongekommen?“, fragt sie. Weil sie noch Bratwurst und Crêpes gegessen habe. Huo beschreibt, wie „der Luftzug vom Lkw mir den Atem nahm“. Wie Menschen nach einer kurzen, „gespenstischen Stille“ schrien. Die Ärztin selbst kämpfte mit Erster Hilfe um das Leben von Fabrizia di Lorenzo, die später in der Klinik starb. In der Serie äußert sich die Mutter der 31-Jährigen erstmals. „Wenn sie nach Hause kam, ging die Sonne auf“, sagt di Lorenzo über ihre Tochter. Der deutsche Staat habe ihr Auskünfte „verweigert“ und sie kaum unterstützt.

Mit den Fehlern vor und nach dem Terror befasst Schult sich intensiv. Dazu gehört der zermürbende, teils erfolglose Kampf der Betroffenen um Entschädigung. Zu den Schwächen der Dokumentation zählen die teils reißerische Rekonstruktion des Tatgeschehens und die mindestens fragwürdigen Szenen aus einem Live-Video vom Anschlagsort, auch wenn keine Todesopfer oder Schwerverletzten zu sehen sind. Mit dem Attentäter beschäftigt sich der Film auch lange, allerdings in einer aufklärenden Weise. Es geht zum Beispiel um die folgenlosen Alarmsignale im Vorfeld. So warnte ein V-Mann vor der Gefährlichkeit des Täters. Der damalige „Spiegel“-Reporter Jörg Diehl bemängelt, Sicherheitsbehörden hätten die Gefahr durch als Geflüchtete getarnte Terroristen unterschätzt. Zudem habe die Polizei viele Hinweise auf den Drogenhandel des Terroristen und dadurch die Möglichkeit gehabt, ihn vorher zu verhaften. Nach dem Anschlag sollte dies offenbar vertuscht werden. Später folgten einige Konsequenzen. Beispielsweise wurde das Opferentschädigungsgesetz reformiert und beim BKA – das Kritik zurückweist – Personal im Kampf gegen Extremismus aufgestockt. Lücken und Missstände gibt es nach wie vor, etwa beim Erkennen von Gefährdern oder bei Hilfen für Betroffene.

Der Anschlag brachte unfassbares Leid. Die Serie zeigt aber auch Lichtblicke wie die Gemeinschaft der Angehörigen. Bei einem Treffen sagte Giovanna di Lorenzo der Ersthelferin Huo, wie froh sie sei, dass ihre Tochter nicht alleine war. Mehrere Hinterbliebene, darunter Astrid Passin, setzen sich mittlerweile für Opferrechte ein. Am Ende bleiben vor allem zwei Sätze von Giovanna di Lorenzo in Erinnerung: „Diese Leere ist nie mehr zu füllen.“ Und: Man „kann diesen Schmerz verwandeln in Liebe für andere.“

3sat.de/film/der-anschlag

Ein Journalist will den Mord an seinem Onkel aufklären

Erstellt am: Dienstag, 26. August 2025 von Sabine
Podcast "Zwei Schüsse ins Herz" von der ARD.

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Ein Journalist will den Mord an seinem Onkel aufklären

Podcast/ARD Audiothek

Als Robert Pfeffer am 24. Mai 1979 seine Wohnung in Beirut verlässt, hat er keine Chance zu überleben. Auf der Straße eröffnet ein Killerkommando das Feuer. Der 38-Jährige, der erfolgreich als Korrespondent gearbeitet hat, wird erschossen.

Mehr als 40 Jahre später begibt sich sein Neffe Kilian Pfeffer auf Spurensuche und nimmt die Hörerinnen und Hörer im Podcast „Zwei Schüsse ins Herz – Warum musste mein Onkel sterben?“ mit. Der Weg führt in ein paar Sackgassen und ist mühsam, aber immer interessant. ARD-Journalist Pfeffer durchsucht Archive, wertet den Nachlass seines Onkels aus, Bilder, Briefe, Artikel. Pfeffer spricht mit Weggefährten, Ermittlern und sucht in Jordanien sogar den Ex-Chefpropagandisten der Volksfront zur Befreiung Palästinas auf. „Er hatte ja viele geheimnisvolle Projekte“, meint ein früherer Kollege über den Onkel. „Er muss zwischen die Fronten geraten sein“, sagt eine ehemalige BKA-Beamtin.
Nach und nach erfährt der ermittelnde Angehörige: Robert Pfeffer wollte offenbar ein Buch über Terrorismus schreiben, über Carlos den „Schakal“ sowie Wadi Haddad, der in den 1970er Jahren Flugzeugentführungen plante.

Die intensive Recherche zeichnet den Siebenteiler aus, aber auch die besondere Perspektive eines Hinterbliebenen, der zugleich Journalist ist. Nachdem er sich immer wieder Fragen zum Tod seines Onkels gestellt hat, beschließt Pfeffer, sich nicht mit der Ungewissheit und einer passiven Rolle als Opferangehöriger abzufinden, sondern aktiv zu werden, zu recherchieren. Dabei legt er seine Gefühle offen und reflektiert sie. Seine Wut darüber, dass niemand dem Fall richtig nachgegangen ist. Seine Erschütterung darüber, dass sich sein Onkel in den letzten Lebenstagen bedroht fühlte. Seinen Ärger über sich selbst, als er glaubt, eine Spur verloren zu haben. Seine Trauer. Und er hinterfragt, inwiefern die emotionale Betroffenheit seine Arbeit beeinflusst.

Gleichzeitig erzählt der Podcast Wissenswertes etwa über Konflikte im Nahen Osten oder den Journalismus in jenen Jahren bei Magazinen wie dem „Stern“, wo der Druck, spektakuläre Geschichten zu liefern, hoch war.
Der Fall liegt Jahrzehnte zurück; die Quellenlage war schlecht. Auch wenn er einige Enttäuschungen hinnehmen muss: Pfeffer gelingt es, Erstaunliches herauszufinden – und Fragen, die ihn seit langem beschäftigten, endlich zu beantworten.

Job-Scamming – Abgezockt bei Arbeitssuche

Erstellt am: Montag, 11. August 2025 von Sabine
ZDF „Die Spur“: Job-Scamming - Abgezockt bei Arbeitssuche

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Job-Scamming – Abgezockt bei Arbeitssuche

ZDF „Die Spur“

Jobsuche im Netz, remote ausgeschriebene Stellen, die von zu Hause aus gut zu erledigen sind – das ist nichts Neues in der modernen Arbeitswelt. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schätzen solche Angebote. Doch genau diese Freiheit birgt auch Gefahren. Hinter vermeintlich seriösen Stellenausschreibungen wittern Betrüger die Chance, ihre Opfer auszunutzen und sogar selbst zu Tätern werden zu lassen. In der Reportage „Job-Scamming – Abgezockt bei Arbeitssuche“ widmen sich die Journalistinnen Verena Sieben und Alexa Ramthun diesem wichtigen Thema und lassen Betroffene wie Anna Kaufmann (Name geändert) ihre Geschichte erzählen.

Sie zeigen, wie schwierig es ist, einen Betrug überhaupt zu erkennen: „Ich habe […] mir das Impressum genau angeguckt“, sagt Kaufmann. „Es gab eine Handelsregisternummer. Ich habe mir sogar die Firmenadresse bei Google Maps angeguckt. Das erschien mir alles seriös, ich habe einen Arbeitsvertrag zugeschickt bekommen, den habe ich sogar von ChatGPT prüfen lassen.“ Sie sagt zu und beginnt, für ihren Arbeitgeber Websites zu testen. Dabei soll sie auch Kreditinstitute prüfen. Als ihr Zweifel an der Seriosität ihres Arbeitgebers kommen, kontaktiert sie eines der Institute. „Und die haben mir dann gesagt, es ist bei fünf, sechs, sieben Banken angefragt worden und die ING Diba hat den Kredit bewilligt. Da sind 25.000 Euro auf ein Konto überwiesen worden. Das Konto, das ich einen Tag vorher eröffnet habe“, so Kaufmann. Sie lässt das Konto sperren, aber das Geld ist bereits weg. Täter nutzen diese Konten zur Geldwäsche. Kaufmann erhält immer wieder Zahlungsaufforderungen, woraufhin sie die ING Diba kontaktiert. Im ersten Schritt ohne Erfolg. Später wird die Bank auf das Geld verzichten, allerdings ist das nicht die Regel in solchen Fällen.

Die Journalistinnen sprechen nicht nur mit Betroffenen, sondern auch mit der Polizei, mutmaßlichen Tätern und einer Firma, deren Identität für einen solchen Betrug gestohlen wurde. Der Film zeigt eindrucksvoll, wie perfide diese Betrugsmasche ist, gibt Betroffenen eine Stimme und leistet wichtige Präventionsarbeit.

Karla

Erstellt am: Donnerstag, 31. Juli 2025 von Sabine
Karla ist ein Film über Kindesmissbrauch: Auf dem Bild blickt sie an der Kamera vorbei. Sie ist erst elf Jahre alt, hat kurzes Haar.

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Karla

Ab 2. Oktober 2025 im Kino

Karla schlägt die Stimmgabel auf den braunen kleinen Holztisch. Ein klarer und reiner Ton flutet das Büro des Richters. Er versteht das Zeichen, das sie ganz am Anfang vereinbart haben. Ein Schlag, ein Ton, bedeutet einen weiteren sexuellen Missbrauch durch ihren Vater.

Es ist 1962, eigentlich war die Familie auf dem Weg in den Sommerurlaub mit dem Auto. Während einer kurzen Toiletten-Pause in einem Feld rennt die Tochter Karla los – zum nächsten Polizeirevier. Sie verlangt, den Richter zu sprechen. Noch in der Nacht kommt er zum Revier. Sie ist erst zwölf Jahre alt und will ihren Vater anzeigen. Sie sagt, es geht um Paragraf 176 des Strafgesetzbuchs: sexueller Missbrauch von Kindern. „Es gibt den Artikel ‚Recht auf Leben‘ – Artikel zwei im Grundgesetz, gleich nach dem mit der ‚Würde des Menschen‘. Gilt das alles auch für Kinder?“, fragt Karla den Richter.

Karla kommt in ein Mädchenheim eines Klosters. Täglich trifft sie den Richter in seinem Büro, erzählt ihm von Situationen mit ihrem Vater, aber nicht über die einzelnen Taten; stattdessen schlägt sie die Stimmgabel auf den Tisch.

Karla ist ein sanfter und zugleich lauter Film nach einer wahren Begebenheit. Die Regisseurin Christina Tournatzés schafft es, allein durch Anspielungen und Symbolik, den Kindesmissbrauch darzustellen, ohne das Leid in Szene zu setzen. Zum Beispiel zeigt sie nur die Unterseite des Bettes, wenn es um Missbrauch geht, mehr bekommt das Publikum nicht zu sehen. Die Würde und die Stärke des Opfers stehen im Vordergrund. Gespielt wird die Protagonistin von Elise Krieps. Es ist die erste Filmrolle der noch jungen Schauspielerin.

Viele Opfer haben sich vergeblich überwunden und einen Antrag auf Unterstützung gestellt. Foto: dpa

„Die Betroffenen haben viele Ängste und Schamgefühle“

Die Empörung ist groß, nachdem bekannt geworden ist, dass der Fonds Sexueller Missbrauch auslaufen soll. Ein Papier aus den Koalitionsverhandlungen, das dem WEISSER RING Magazin vorliegt, lässt jetzt auf eine Fortsetzung hoffen. Doch ob und in welcher Form der Fonds bleibt, ist ungewiss.

Der Film thematisiert die Qual von Opfern, über das Erlebte sprechen zu müssen. Ob bei der Polizei für die Anzeige oder später vor Gericht: Betroffene werden immer aufgefordert, die Tat zu schildern, teilweise mit intimen Details. Und das möchte Karla nicht. Für den Richter eine große Herausforderung – wie verurteilt man jemanden, wenn das Opfer keine Angaben zur Tat machen möchte? Mit viel Feingefühl und Geschick schafft er es schließlich, an ausreichend Informationen zu gelangen, um ein Verfahren eröffnen zu können. Die Mutter als Zeugin, der Vater als Täter – und erst hier bekommt er ein Gesicht. Um Karla herum Männer, die darüber streiten, ob ein 12-jähriges Mädchen eventuell die Verführerin gespielt hat. Später stellt sich heraus: Es war nicht ihr erster Versuch, den Vater anzuzeigen.

Neben berührenden Dialogen bekommt der Zuschauer auch die Welt gezeigt, in die Karla flieht, wenn sie für kurze Zeit nicht das Mädchen sein möchte, dem all das Grausame angetan wurde. In ihrer Fantasiewelt rennt sie über Wiesen voller Mohnblumen. Ein bewusstes Stilmittel von Christina Tournatzés, da die Blume Frieden symbolisiert. Denn genau den möchte Karla endlich in ihrem Leben: Frieden.

Auch wenn der Film im Jahr 1962 spielt, ist er noch heute aktuell. Erst kürzlich erschien die nationale Dunkelfeldstudie, die bundesweit die Häufigkeit sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche untersucht sowie auch die Kontexte der Taten und deren Folgen beleuchtet. Das Ergebnis: Sexualisierte Gewalt im Kindes- und Jugendalter bleibt oft unentdeckt, weil Betroffene schweigen. Mehr als ein Drittel hat bisher nie über das Erlebte gesprochen.

“Und dann malt er ein Herz mit ihrem Blut ans Fenster“

Erstellt am: Mittwoch, 18. Juni 2025 von Sabine
zeit.de Tötungsdelikte an Frauen 2024

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“Und dann malt er ein Herz mit ihrem Blut ans Fenster“

zeit.de

„Sie wurden einen Abhang hinuntergeworfen. Unter der Terrasse vergraben. Erschossen. Im Stillarbeitsraum der Schule erstochen. Eine Finanzbeamtin. Eine Supermarktkassiererin. Eine Managerin. Eine Yogalehrerin.“ Schon der Einstieg in den Text macht deutlich: Was jetzt folgt, wird heftig.

Im Jahr 2024 wurden in Deutschland nach Recherchen von „ZEIT online“ 104 Frauen von ihren Partnern und Ex-Partnern getötet. Das Online-Portal hat jedes einzelne dieser Verbrechen dokumentiert und datenjournalistisch aufbereitet. Eine so breite und gleichzeitig tiefe Recherche zu Femiziden ist selten. Eine offizielle Datensammlung dieser Art fehlt in Deutschland noch immer.

Leserinnen und Leser erfahren hier, dass die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik – dort wurden im Jahr 2024 insgesamt 126 getötete Frauen erfasst – dadurch unscharf wird, dass nicht der Tag des Delikts  entscheidend ist, sondern der Zeitpunkt, zu dem die Ermittlungen abgeschlossen sind. Tat und Abschluss der Ermittlungen liegen aber nicht immer im selben Jahr.

Beeindruckend sind die akribischen und sachlichen Datenauswertungen sowie die grafische Aufbereitung des Themas. Die Autorinnen scheuen sich nicht, unbequeme Auswertungen nüchtern  aufzuschreiben. Zum Beispiel die, dass Frauen statistisch ein erhöhtes Risiko haben, getötet zu werden, wenn sie mit einem Nichtdeutschen zusammen sind. Und dass Nichtdeutsche vor Gericht mit  höheren Strafen rechnen müssen als Deutsche.

Vor allem aber gelingt den Journalistinnen in ihrer Dokumentation geballt, was nicht vielen gelingt: Sie tauchen tief in die Daten ein, analysieren diese und erklären Widersprüche – ohne sich in ihnen zu  verlieren. Und sie machen deutlich, dass sich hinter den anonymen Statistiken menschliche Schicksale verbergen, die sich in Deutschland abspielen.

zeit.de/gesellschaft/2025-04/toetungsdelikte-frauen-2024-partner-mord-femizide

Der Kinderpsychiater – Die Macht des Dr. Winterhoff

Erstellt am: Montag, 16. Juni 2025 von Sabine
Der Kinderpsychiater - die Macht des Dr. Winterhoff

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Der Kinderpsychiater – Die Macht des Dr. Winterhoff

Der Kinderpsychiater – Die Macht des Dr. Winterhoff / ARD Mediathek

Februar 2025. Der bekannte Kinderpsychiater Michael Winterhoff steht in 36 Fällen wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Er soll über Jahre hinweg Mädchen und Jungen, teils ohne ausreichende Diagnostik oder Aufklärung, sedierende Medikamente wie Pipamperon verabreicht haben. Der Fall gilt als einer der größten Skandale der deutschen Kinderpsychiatrie. In der dreiteiligen ARD-Doku „Der Kinderpsychiater – Die Macht des Dr. Winterhoff“ berichten zahlreiche Betroffene von ihrer Zeit als Patientinnen und Patienten des Mediziners. Sie geben dabei einen Einblick in ihr Leben, das noch heute durch die Nebenwirkungen der Medikamente bestimmt wird.

Die Doku stellt dadurch nicht den mutmaßlichen Täter in den Mittelpunkt, sondern konzentriert sich allein auf die Opfer. Das Publikum sieht unter anderem, wie ein betroffener Familienvater um ein besseres Leben für seine Kinder kämpft und wie eine Schülerin, trotz ihrer Einschränkungen durch den damaligen Medikamentenmissbrauch, eine berufliche Zukunft plant.

ardmediathek.de/serie/der-kinderpsychiater-die-macht-des-dr-winterhoff/staffel-1

“Das Kind des Opfers und des Täters zu sein, ist eine schreckliche Last“

Erstellt am: Freitag, 13. Juni 2025 von Sabine
Gisele Pelicot Tochter Buch

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“Das Kind des Opfers und des Täters zu sein, ist eine schreckliche Last“

Caroline Darian
“Und ich werde dich nie wieder Papa nennen“
Kiwi Verlag, 222 Seiten, 22 Euro

„Das Kind des Opfers und des Täters zu sein, ist eine schreckliche Last“, schreibt Caroline Darian in ihrem Buch „Und ich werde dich nie wieder Papa nennen“. „Die Vergangenheit wurde ausradiert, aber welche Zukunft folgt darauf?“

Caroline Darian ist die Tochter von Gisèle Pelicot. Der Fall erschütterte die ganze Welt: Pelicot wurde  von ihrem Ehemann über Jahre hinweg unter Medikamente gesetzt und von ihm und Dutzenden anderer Männer vergewaltigt. Im Buch nimmt Caroline Darian die Leserschaft mit in die Zeit, als die Taten ihres Vaters auffliegen und die  ganze Familie zerreißen. Auf einen Schlag ist „dieses Leben, das wir vor wenigen Jahren noch ‚banal‘ genannt hätten“, vorbei. Sie berichtet von ihrem eigenen Zusammenbruch, ihrem Umgang mit dieser Situation und ihrem zu dieser Zeit auch angespannten Verhältnis zu ihrer Mutter. In einigen Passagen spricht sie ihren Vater  direkt an: „Ich habe dich geliebt, respektiert und unterstützt, wie eine dankbare Tochter es ihrem Vater gegenüber tut. Du hast deinen Teil der Vereinbarung nicht  eingehalten. […] Ich werde dir das wohl nie verzeihen können. Jetzt muss ich lernen, damit zu leben.“ Darian lässt den Leser ganz nah an sich ran, zwischendurch hat man sogar fast das Gefühl, Teil der Familie zu sein, die gerade durch die schlimmste Zeit ihres Lebens geht.

kiwi-verlag.de/buch/caroline-darian-und-ich-werde-dich-nie-wieder-papa-nennen